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Zum Unterhalt: Das Forst- und Gasthaus in der Granitz wird saniert

02.08.2016 • Jagdschloss Granitz
Es ist nicht zu übersehen: Das Forst- und Gasthaus am Jagdschloss Granitz versteckt sich derzeit hinter einem Gerüst und erhält eine sprichwörtliche Frischekur. Im Rahmen des Bauunterhalts werden die Fenster und die Fassade aufgearbeitet.
Für das Projekt ist der landeseigene Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern (BBL M-V) verantwortlich, der in die Arbeiten zum Unterhalt des historischen Gebäudes rund 35.000 € investiert. Bei den Mitteln zum Bauunterhalt handelt es sich um Mittel aus dem Landeshaushalt

Arbeiten am historischen Bestand

Im Treppenturm des Forst- und Gasthauses werden die historischen Fenster aus dem 19. Jahrhundert aufgearbeitet, wobei das teilweise nur 1,5 mm dünne Glas eine besondere Herausforderung darstellt. In den letzten beiden Wochen hat ein vom BBL M-V beauftragter Tischler die alte Farbe vollständig und äußerst vorsichtig per Hand abgenommen. Dabei zeigte sich, dass das Holz der meisten Fenster glücklicherweise noch in einem guten Zustand ist. Auch die alten Fenstergläser haben die Arbeiten sehr gut überstanden.

Die meisten der insgesamt 37 Fenster des Forst- und Gasthauses sind nicht mehr bauzeitlich, aber auch hier gibt es für die Handwerker einiges zu tun. So werden mehrere hundert Meter Kitt überprüft und ggf. vorhandene Schäden beseitigt.

Von verschiedenen und auch unerwarteten Farben

Bevor die Fenster in den nächsten Wochen neu gestrichen werden können, musste zunächst die Farbigkeit festgelegt werden. Der Diplom-Restaurator Hans-Henning Bär aus Jager hat das Forsthaus gründlich untersucht und dabei Hinweise auf frühere Farbfassungen gefunden. In Abstimmung mit dem Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege in Schwerin wurden die künftigen Farbtöne festgelegt. Die bisher hellgrau gestrichenen Fenster werden künftig nach Befund einen braunen Anstrich erhalten, für die Türen ist ein Grünton zu erwarten. Damit wird das Forst- und Gasthaus einen neuen Farbkanon erhalten. Die Fassade aber wird weiterhin in einem Rosa leuchten, wie es für das Jagdschloss Granitz oder auch andere Forsthäuser - wie das in Prora - belegt ist.

Doch vorher muss erst der Untergrund gerichtet werden: Die Fassade weist verschiedene Risse auf, die beseitigt werden müssen, bevor die Maler überhaupt mit ihrer Arbeit beginnen können. Schon im letzten Jahr mussten einzelne Risse um die Eingangstür und im Zierbogen darüber als kurzfristige Maßnahme repariert werden, die ausgebesserten Stellen blieben als weiße Putzstellen deutlich sichtbar. Nun endlich kann das gesamte Gebäude vollständig neu gestrichen werden und in neuem Glanz erscheinen.

Näheres zum "Schlösschen" unterhalb des Jagdschlosses

Das Forst- und Gasthaus zu Füßen des Jagdschlosses Granitz wurde ab 1851 - kurz nach Fertigstellung des repräsentativen Jagdsitzes - nach Plänen Johann Gottfried Steinmeyers errichtet. Dieser zeichnete auch schon für Pläne zum Jagdschloss verantwortlich. Es diente ursprünglich als Sitz der Revierförsterei Granitz, wobei ein Teil des Gebäudes schon damals Übernachtungsmöglichkeiten bot. Mit dem Umzug der Försterei nach Blieschow wurde das Gebäude Ende des 19. Jahrhunderts als Gasthaus verpachtet und war mit einem großen Biergarten bis ins 20. Jahrhundert ein beliebter Anziehungspunkt für Badegäste und Besucher des Jagdschlosses. Ab 1883 wurde der Kastellan, der das Jagdschloss betreute, auch als Postagent eingesetzt und bot während der Badesaison neben einer Postagentur im Forst- und Gasthaus auch Telegraphenbetrieb an. Nach 1945 wurde das Gebäude als Kindererholungsheim genutzt, später war in dem Haus die Station Junger Touristen "Walter Husemann" untergebracht, die hier Ferienlager für Jugendliche organisiert. Bis in die Mitte der 1990er Jahre war das Haus noch bewohnt. Im Jahr 2002 wurde das Haus in die Zuständigkeit des neu gegründeten BBL M-V gegeben und bereits 2003 umfassend saniert. Es ist seitdem Ausstellungs- und Informationszentrum des UNESCO-Biosphärenreservats Südost-Rügen und beherbergt zudem Büros für Mitarbeiter des Jagdschlosses.

Bauunterhalt als wichtige Aufgabe

Ein Bauwerk muss ebenso wie die zugehörigen Anlagen nicht nur bewirtschaftet, sondern auch erhalten - unterhalten - werden. Dies ist eine wichtige Aufgabe des BBL M-V. Maßnahmen wie die Aufarbeitung der historischen Fenster oder die Sanierung der Fassade am Forst- und Gasthaus gehören in den Bauunterhalt. Zu den Arbeiten im Bauunterhalt zählen alle Maßnahmen, die ein Objekt in einem bestimmten Zustand erhalten und bewahren oder aber einen bestimmten Wert, die Funktion und das Erscheinungsbild eines Bauwerks wiederherstellen.

Das Land finanziert den Bauunterhalt für seine Liegenschaften ausschließlich aus Mitteln des Landeshaushalts. Es kann sich dabei, wie derzeit beim Forst- und Gasthaus zu sehen, um größere Maßnahmen handeln, aber auch regelmäßige Leistungen für den Erhalt der Bausubstanz fallen darunter. Ein Beispiel für diese regelmäßigen Arbeiten ist die meist jährlich stattfindende Instandsetzung der gusseisernen Wendeltreppe im Jagdschloss Granitz.

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