Wirtschaftsgebäudes am Schloss Güstrow instand gesetzt
17.09.2026 • EFRE in der SBL-MV
Die Europäische Union (EU) unterstützt u. a. die Entwicklung strukturschwacher Regionen auf unserem Kontinent. Damit möchte die Gemeinschaft der 27 Mitgliedsländer unterschiedlich stark bzw. schwach entwickelte Gebiete einander angleichen. Einen Teil dieser Investitionen setzt die Staatliche Bau- und Liegenschaftsverwaltung Mecklenburg-Vorpommern (SBL-MV) um.
Das Staatliche Bau- und Liegenschaftsamt (SBL) Schwerin hat die umfassende Sanierung des Wirtschaftsgebäudes am Schloss Güstrow abgeschlossen. Mit der Maßnahme wurde das dem Schlossensemble zugehörige Wirtschaftsgebäude dauerhaft gesichert und für eine multifunktionale Nutzung als Ausstellungs- und Veranstaltungsort hergerichtet.
Bereits aus slawischer Zeit wurde eine Burg auf dem heutigen Gelände des Schlosses Güstrow nachgewiesen. Beginnend mit dem 1557 abgebrannten Südflügel wurde die Burganlage sukzessive zu einem Renaissanceschloss um- und ausgebaut. Der aufwändig verputzte Backsteinbau mit Elementen der Gestaltung wie Rustika (Säulenordnungen), ist einer der bedeutendsten Bauten der Renaissance im Norden Deutschlands.
Teil des Schlossensemble
Das Wirtschaftsgebäude ist das jüngste der Schlossanlage mit einem Baubeginn im Jahr 1882. Zweigeschossig mit ausgebautem Dachdrempel bestehen die Fassaden aus Ziegelsteinen mit betontem Mittelrisalit in beiden Längsseiten. Das Mauerwerk der Fundamente und Sockel besteht aus Feldsteinen, das flachgeneigte Satteldach ist mit Bitumenpappe gedeckt und die überwiegend bauzeitlichen kleinteiligen Metallsprossenfenster enthalten Segmentbogen. Das Gebäude wurde umfassend in den 1980er Jahren saniert. Wesentliche Bauteile wie Treppen, Türen und auch Fenster wurden erneuert, jedoch hat sich seitdem der Zustand wesentlich verschlechtert.
Zustand vor Sanierung
Die hölzerne Tragkonstruktion des Daches war partiell durch Braunfäule und baukonstruktive Alterserscheinungen geschädigt und mit Schadstoffen kontaminiert. Das Dach war an einigen Stellen durchlässig, sodass Dach und Tragkonstruktion erneuert werden mussten.
Die Fassade war stark erodiert; Risse, Abplatzungen und Schäden durch eindringendes Wasser sowie Störungen im Gefüge des Mauerwerks gehörten zu den herausragenden Schadensbildern. Teilweise wurden in vergangenen Zeiten Ziegelsteine durch falsche Formate ersetzt.
Die Fenster waren ebenfalls geschädigt - zum Teil waren die Rahmenhölzer zerstört, verformt und schlossen nicht mehr ohne Weiteres.
Baumaßnahmen
Die barrierefreie Erschließung des Gebäudes mit einem Aufzug (innen, hinter dem Treppenhaus) wurde geplant. Der Haupteingang kann über eine seitlich angeordnete Rampe erreicht werden.
Die Fassade wurde substanzschonend instandgesetzt, von der Reinigung bis hin zur Auswechslung von Ziegeln und Fugen. Die Fenster wurden teilweise ausgetauscht, die sanierungsfähigen Fenster repariert. Eine neue zweite innere Ebene verbessert die bauphysikalischen und sicherheitstechnischen Anforderungen der Fenster. Das Dach wurde durch eines aus Zinkblech ersetzt, die Holzkonstruktion nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten statisch und konstruktiv ertüchtigt und der Dachstuhl dekontaminiert.
Im Inneren wurden die Oberflächen von Wänden, Decken und Böden gereinigt sowie Fehlstellen und lockere Beläge gefestigt sowie der Bestand behutsam konserviert.
Die Sanierung des Innenraums beschränkte sich auf das Mindestmaß. Dabei wurden die Elektroanlagen erneuert und gleichzeitig das neue Brandschutzkonzept und Anforderungen an die Sicherheit umgesetzt. Mängel an den Einbruchmelde- und Videoanlagen, der Sicherheitsbeleuchtung und den RWA-Anlagen wurden behoben.
Planung und Vergabe
Im Zuge eines Vergabeverfahrens wurde im Jahr 2016 das Architekturbüro schlutt + schuldt aus Berlin mit der Gebäudeplanung beauftragt. Unter anderem waren die Ergebnisse der Bestandsuntersuchungen zu sichten und zusätzliche restauratorische Untersuchungen weiterzuverfolgen. Grundlage der umzusetzenden Maßnahme waren der Erhalt der historischen Bausubstanz, die Wahrung des äußeren Erscheinungsbildes sowie die Einhaltung der Anforderungen an eine denkmalgerechte und zugleich nachhaltige Sanierung.
Vor Beginn der regulären Bauausführung wurden erhebliche Schadstoffbelastungen, insbesondere im Dachgeschoss, festgestellt. Die notwendige Schadstoffsanierung begann im November 2019, die anschließenden Bauarbeiten im September 2021.
Im Untergeschoss sind Lager- sowie
Technikräume entstanden. Im Erdgeschoss sowie im Dachgeschoss sind multifunktionale Räume entstanden, die sowohl für Ausstellungen als auch
für Gastronomie genutzt werden können.
Im Zuge der Sanierung wurden die historische Dachkonstruktion und die tragenden Bauteile instandgesetzt sowie die technische Gebäudeausstattung umfassend erneuert. Ein neu eingebauter Aufzug ermöglicht die barrierefreie Erschließung aller Geschosse. Darüber hinaus wurden die angrenzenden Außenanlagen einschließlich einer neuen Treppenanlage zum Kellergeschoss neugestaltet.
Nutzung nach Fertigstellung
Mit der Sanierung des Wirtschaftsgebäudes steht ein für die Öffentlichkeit zugänglicher Ausstellungs- und Veranstaltungsort zur Verfügung. Das Gebäude leistet einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung des historisch bedeutenden Schlossensembles Güstrow.
Das Land Mecklenburg-Vorpommern investierte mit Unterstützung der Europäischen Union 6,4 Millionen Euro in dieses Bauprojekt. Allein aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) flossen Mittel in Höhe von 5,2 Millionen Euro in dieses Bauprojekt, das vom SBL Schwerin umgesetzt worden ist.
Planungsdaten Wirtschaftsgebäude Schloss Güstrow
Bauherr
Land Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch das Staatliche Bau- und Liegenschaftsamt Schwerin
Förderung der nachhaltigen Stadtentwicklung zur Verbesserung der dauerhaften Nutzung des kulturellen Erbes
Schloss Güstrow - Instandsetzung des Wirtschaftsgebäudes
Dieses Projekt ist kofinanziert aus Mitteln des Landes Mecklenburg-Vorpommern und wird
mit Beteiligung des Finanzministeriums Mecklenburg-Vorpommern umgesetzt