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Treppenrestaurierung im Jagdschloss Granitz

19.11.2015 • Industriekletterer beherrschen den Turm
Ab Montag, 23. November finden im Mittelturm des Jagdschlosses Granitz die turnusmäßigen Restaurierungsarbeiten an der gusseisernen Wendeltreppe statt. Bis voraussichtlich 27. November müssen Treppe und Aussichtsplattform aus Sicherheitsgründen für den Besucherverkehr geschlossen bleiben.

Was im Turm geschieht

Während der Arbeiten werden unter anderem zwei Stufen aus dem ersten Treppenlauf ausgebaut. Bauingenieur Dr. Rudolf Käpplein hat bei seinen Untersuchungen der Gusseisentreppe die Stufen benannt, die in diesem Turnus wegen kleinster Schäden wie Haarrissen restauriert werden müssen.

Einfach und schnell geht das aber leider nicht: Die Treppe ist nach einem Baukastenprinzip zusammengesetzt. Es ist nicht möglich, einfach Stufen aus einem Treppenlauf zu entfernen, dies würde seine gesamte Konstruktion destabilisieren. Daher müssen die Läufe mit einem extra für die Granitz angefertigten Gerüstsystem gesichert werden. Erst dann können die Arbeiten beginnen.

Zunächst müssen erst einmal die rund 170 Jahre alten Schrauben gelockert werden. Die Industriekletterer Kai und Mike Simon aus Berlin seilen sich dazu von ganz oben im Turm ab und lösen die Verschraubungen auf der Unterseite der Stufen. Zwei Mitarbeiter der thüringischen Metallbaufirma Arnold helfen dabei und heben die gelöste Stufe schließlich nach oben aus dem Treppenlauf. Die komplizierte Demontage kann Stunden dauern.

Während in der Werkstatt der Firma Metalock in Hamburg später die Schäden an den ausgebauten Stufen geschweißt werden, garantieren Platzhalter aus Aluminium, dass die Treppe überhaupt bestiegen werden kann.

Im weiteren Verlauf der Arbeiten sollen dieses Mal auch drei restaurierte Stufen wieder in die Treppe eingesetzt werden.

Hintergrund

Die berühmte gusseiserne Wendeltreppe wird in diesem Jahr 170 Jahre alt. Bei Besucherzahlen von bis zu 130.000 Gästen im Jahr ist sie großen Belastungen ausgesetzt, ihre fein gearbeiteten Stufen leiden unter der dauerhaften Beanspruchung. Das Land Mecklenburg-Vorpommern beugt mit der regelmäßigen Restaurierung der Stufen Schäden vor. Die Staatlichen Schlösser und Gärten sorgen auf diese Weise für den Erhalt des einzigartigen Baudenkmals. Nur so kann die Zugänglichkeit der Aussichtsplattform gewährt blieben, schließlich kommen viele Gäste gerade wegen der einzigartigen Panoramasicht vom Turm auf die Granitz. Das besondere Erlebnis aus dem Genuss des reichen Blicks und dem Nervenkitzel beim Ersteigen der einzigartigen Treppe soll auch weiterhin jedem schwindelfreien Gast garantiert werden.

Verantwortlich für die regelmäßige Instandsetzung der gusseisernen Wendeltreppe ist der landeseigene Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL M-V). In diesem Jahr sind zwischen 12.000 und 15.000 Euro für die Arbeiten an der Treppe und die Restaurierung defekter Stufen vorgesehen.

Seit 1845 schmückt die Wendeltreppe zur Aussichtsplattform des Jagdschlosses den von Karl Friedrich Schinkel entworfenen berühmten Mittelturm. Die selbsttragende Treppe, deren filigran durchbrochene Stufen sich an der Innenwand des Turms emporschwingen, stammt aus der Berliner Maschinenbauanstalt Franz Anton Egells. Zusammen mit dem großen Mittelturm bildet sie ein noch heute faszinierendes Ensemble und gilt als wichtiges Zeugnis der preußischen Eisengussindustrie. Gleichzeitig weist sie den Bauherren Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus als modernen und fortschrittlichen Bauherren aus.

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