Schlossanlage Wiligrad – Fassadeninstandsetzung Schloss und Seitenflügel
12.06.2026 • ELER im SBL Schwerin
Die Europäische Union (EU) unterstützt u.a. die Entwicklung strukturschwacher Regionen in ihrem Mitgliedsbereich. Einen Teil dieser Investitionen setzt das Staatliche Bau- und Liegenschaftsamt (SBL) Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern um.
In der aktuellen Förderperiode sollen die Sanierungsarbeiten an der Schlossanlage Wiligrad im nördlichen Umland Schwerins fortgesetzt werden. Die hierfür gebildeten Instandsetzungsabschnitte untergliedern sich gemäß der Gebäudestruktur des Kernstücks des Ensembles in zwei Bauabschnitte: 4. Bauabschnitt - Schlossteil als ehemaligen Herrschaftsflügel und 5. Bauabschnitt - Seitenflügel als ehemaligen Wirtschaftsflügel.
Historie
Mit der Schlossanlage ließ der Herzog von Mecklenburg Johann Albrecht, von 1896 bis 1898 nach Plänen von Albrecht Haupt das Schloss Wiligrad im Neorenaissance-Baustil als Zweiflügelanlage mit einem Treppenturm errichten.
Es gliedert sich in einen Herrschaftsflügel und einen Wirtschaftsflügel. Bis 1945 befand sich das Schlossensemble im Besitz der Familie des ehemals regierenden Herzogs von Mecklenburg-Schwerin. Es folgten im Verlauf der Jahre behördliche Nutzungen wie z.B. die Unterbringung der Schule der Volkspolizei. Ab 1991 war das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege
Mecklenburg-Vorpommern, Abteilung Archäologie, im Schloss ansässig. Weitere Nutzer
des Hauptgebäudes waren der Kunstverein Wiligrad e.V. und der Verein der Freunde des Wiligrader Schlosses e.V. sowie die Unterbringung eines Teils des Gärtnerstützpunktes.
Die letzten größeren Sanierungsmaßnahmen an Außenfassaden und Dachflächen erfolgten
1993 bis 1995. Es wurden alle Außenputze entfernt und komplett neu angelegt, Mauerwerks- und Terrakottaverfugungen erneuert, schadhafte Ziegel ausgetauscht und Dachflächen neu eingedeckt sowie Holzschäden der Dachkonstruktion überarbeitet.
Als jüngstes der im Landesbesitz befindlichen Schlösser steht das Haupthaus gemeinsam mit den weiteren historischen Gebäuden im Rahmen der Schlossanlage auch unter Ensembleschutz.
Der Schlossbau ist geprägt durch seine hellweißen Putzfassaden und die schmückenden und gliedernden Terrakottaelemente. Diese aufwändigen Terrakotten enthalten Schmuckelemente in Form von Akanthus- und Laubornamenten. Die Fassaden werden durch markante, waagerechte Friese und
Gesimsbänder strukturiert. Sie ahmen quer über die Wand verlaufende Gebälkstrukturen nach und betonen die klare Geschosstrennung. Zur vertikalen Gliederung wurden markante Lisenen, teilweise als Pilaster mit Fuß- und Kopfteil sowie Ecklisenen verwendet. Die Fenster- und Türöffnungen werden durch Gewände mit Terrakottabesatz gerahmt.
Der schlichtere Seitenflügel zeigt sich im Backsteinstil mit durchgehend
sichtbaren Klinkerfassaden und reduzierter eingesetzter Terrakottazier. Putzflächen zeigen
sich lediglich innerhalb der Ziergiebel als kleinere hellweiße Putzfelder.
Das Schlossgebäude bedarf einer umfassenden Grundinstandsetzung, insbesondere im Bereich der Fassaden, aber auch im Gebäudeinneren.
Um die sensiblen und durch Witterungseinflüsse stark geschädigten Bauteile wie Fenster, Terrakotten und teilweise Putze zu restaurieren bzw. zu rekonstruieren werden in einem ersten Schritt die Fassaden instandgesetzt.
Folgende Arbeiten müssen zur Erreichung dieser Ziele durchgeführt werden
Mit der Ertüchtigung des Natursteinsockels am Haupthaus wird der erste Schritt der Fassadeninstandsetzungsmaßnahme umgesetzt. Ziel dieser Arbeiten ist, einen dauerhaften Schutz vor aufsteigender Feuchtigkeit zur Sicherung der historischen Bausubstanz zu gewährleisten.
Darauf aufbauend werden anschließend die weiteren Gewerke ihre Arbeiten aufnehmen und die umfassenden Instandsetzungsarbeiten an den Fassaden fortführen.
Dazu gehören insbesondere das Verschließen von Rissen in den Außenwänden, Ziegelergänzungen, teilweise Neuverfugungen und Putzergänzungen sowie ein Neuanstrich. Ein großer Teil der Fassadenarbeiten entfällt u.a. auf die auszuführenden restauratorischen Maßnahmen, insbesondere an den Terrakotten des Schlossflügels, welche je nach Zustand entsalzt, gereinigt, gefestigt oder gar bei Totalverlust neu hergestellt werden müssen.
Alle Fenster des Schlossgebäudes erfahren eine angemessen umfassende Überarbeitung und erhalten einen neuen Farbanstrich. An einigen Fenstern und Türen werden die fehlenden Bleiverglasungen ergänzt.
Zur Ertüchtigung des Einbruchschutzes wird eine Einbruchmeldeanlage im Schlossteil installiert.
Die Fensterscheiben im Schlossteil erhalten zusätzlich eine Sicherheitsfolie.
Zudem werden im Erdgeschoss die bauzeitlichen Rollladenkästen restauriert bzw. ergänzt.
Auf diese Weise wird die Voraussetzung für eine fachgerechte Instandsetzung und den langfristigen Erhalt des historischen Gebäudes geschaffen.
Nutzung nach Fertigstellung
Mit der Fertigstellung der Fassadenarbeiten wird das Schloss in seinem restaurierten Erscheinungsbild das historische Schlossensemble vervollständigen und künftig ebenso eindrucksvoll wie die bereits instandgesetzten Gebäude erstrahlen.
Die aufwendig restaurierte Parkanlage mit den prägenden Bestandteilen Schloss, Maschinenhaus und Marstall stellen einen bedeutenden touristischen Anziehungspunkt der Region dar. Als historisch wertvolles Ensemble und kultureller Höhepunkt trägt das Ensemble Schloss Wiligrad wesentlich zur nachhaltigen Entwicklung der Region bei.
Von der Instandsetzung des Schlossgebäudes werden auch die mittelständischen Baufirmen in der Region profitieren.
Planungsdaten Fassadeninstandsetzung Schloss Wiligrad
5. BA Seitenflügel
Bauherr
Land Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch das SBL Schwerin
Gesamtkosten
2,2 Mio. Euro
Baubeginn
I. Quartal 2026
Bauende
III. Quartal 2028; Abbau BE bis 11.2028 und Pflanzung bis 02.2029
Maßnahmen zum Schutz und zur Erhaltung des Kulturerbes "Schlösser und Parks"
Schlossanlage Wiligrad
Dieses Projekt ist kofinanziert aus Mitteln des Landes Mecklenburg-Vorpommern und wird
mit Beteiligung des Finanzministeriums Mecklenburg-Vorpommern umgesetzt