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Polizeihauptrevier, Kriminalkommissariat Stralsund - Ersatzneubau in der Barther Straße 73

28.04.2021 • Landesbau
Das Land Mecklenburg-Vorpommern errichtet seit Dezember 2019 ein neues Dienstgebäude für das Polizeihauptrevier (PHR) und das Kriminalkommissariat (KK) am Standort Stralsund. Nach einer geplanten dreijährigen Bauzeit soll im Dezember 2022 das neue Dienstgebäude in der Barther Straße, das in Verantwortung des Staatlichen Bau- und Liegenschaftsamtes (SBL) Greifswald umgesetzt wird, fertig gestellt sein.

Historie - Standort - bisherige Unterbringung

Das Baugrundstück Barther Straße 73 befindet sich im Westen der Stadt Stralsund zwischen Carl-Heydemann-Ring und Tribseer Damm.  Vor 1970 befand sich auf dem Gelände das Gehöft der Familie Voss, zu dem neben einem eingeschossigen Bauernhaus auch Stallungen auf dem Hof gehörten. Das alles war Ende der 60er Jahre für einen Polizei-Neubau, der am 30. Januar 1970 eingeweiht wurde, abgerissen worden. Auf dem Grundstück befanden sich bis 2019 dieses Polizeigebäude der KK Stralsund, eine Garagenanlage, ein Funkturm und mehrere kleine Nebengebäude. Nach 50 „Dienstjahren“ war der für die damalige DDR typische Büro-Neubau in Plattenbauweise in die Jahre gekommen. Die vorhandene Bausubstanz war verschlissen und marode – undichte Fassaden, defekte Fenster, durchnässte Wände waren Realität. Unhaltbare Arbeitsbedingungen beeinträchtigten eine repräsentative, effektive und bürgernahe Polizeiarbeit sowohl im KK Barther Straße als auch im PHR in der Böttcherstraße seit langem ganz erheblich. Gebäude- und Raumstrukturen sowie technische Ausstattungen beider Standorte entsprachen nicht mehr den Anforderungen an eine funktionelle und moderne Polizeidienststelle. Da sich eine Sanierung der alten Gebäude als unwirtschaftlich erwies, fiel die Entscheidung für einen modernen Neubau als zukünftiges gemeinsames Domizil für beide Dienststellen.

Abbruch Altbestand - Interimsunterbringung während der Bauphase

Der Bestand auf dem Grundstück Barther Straße 73 wurde vor Errichtung des Neubaus, im Zuge der Baumaßnahme abgebrochen. Bevor die Abrissbagger anrollen konnten, mussten jedoch die Schadstoffe fachgerecht ausgebaut, sortiert und entsorgt werden. Bis zur geplanten Fertigstellung und Übergabe des Neubaus an die Nutzer ist das Kriminalkommissariat vorübergehend im ehemaligen Finanzamt zu finden. Auch die Hundestaffel ist dort untergebracht. Im Oktober 2019 bezogen die Polizeibeamten die Räume in der unter Sicherheitsaspekten hergerichteten Interimsunterbringung in der Lindenstraße 136 im Stralsunder Stadtteil Kniepervorstadt. Das Polizeihauptrevier ist noch bis 2022 wie gewohnt in der Böttcherstraße 19 für die Bürger erreichbar.

Städtebauliches Konzept

Der 2-flügelige Ersatzneubau des Hauptgebäudes in schlichter zeitgemäßer Architektur bildet den Abschluss einer geschlossenen Gründerzeitbebauung an der Barther Straße. Das städtebauliche Konzept betont die logische Erweiterung des Blockrandes in Höhe und Kubatur. Im Osten schließt das neue Gebäude mit 4 Vollgeschossen direkt an die sehr hohe Brandwand des Nachbargebäudes an. Die leicht gebogene Kubatur - der Neubau präsentiert sich wie ein gebogenes L – ist an den Straßenverlauf angepasst, betont die Auftaktfunktion am Blockrand und nutzt den vorhandenen Platz optimal aus.  Um das Raumprogramm zu erfüllen, wird die straßenseitige Bebauung um einen gestaffelten südlichen Gebäudeflügel mit 3 Vollgeschossen ergänzt. Dadurch entsteht ein geschützter, interner Hofbereich, der über die westlich angrenzende Zufahrt mit Schrankenanlage erreichbar sein wird. Erforderliche Garagen, Carports und Stellplätze für Dienstfahrzeuge sowie Hundezwinger werden im rückwärtigen Hof eingeordnet. Nicht überbaute Flächen im Hofbereich werden begrünt und mit Baumpflanzungen gestaltet. Im südwestlichen Grundstücksbereich entsteht eine, von der Hauptzufahrt unabhängige, Notausfahrt. Das gesamte Gelände wird mit einer Zaunanlage umschlossen. Der geschützte Haupteingang für Besucher befindet sich an der nordwestlichen Gebäudeecke, ist von der Barther Straße aus erreichbar und wird barrierefrei gestaltet. Direkt gegenüber dem Haupteingang, vor der Schrankenanlage, werden Stellplätze für Besucher inklusive eines Behindertenstellplatzes angeordnet.

Entwurfskonzept - funktionale und technische Besonderheiten

Der 4- geschossige Neubau nimmt den Raumbedarf für das Polizeihauptrevier sowie das Kriminalkommissariat mit dem Kriminaldauerdienst (KDD) und der KPI Ermittlungsgruppe auf. Das PHR mit Wache, Besucherzugang und rückwärtigem Gewahrsamsbereich wird in den unteren Geschossen angeordnet. In den Obergeschossen wird das KK untergebracht. Im Polizeineubau werden etwa 90 Arbeitsplätze für insgesamt 150 Mitarbeiter, die teilweise im Schichtdienst tätig sind, eingerichtet. Der Planung und Umsetzung lag ein ausgearbeitetes Raumprogramm für die Hauptbereiche Polizeirevier und Kriminalkommissariat zugrunde. Abhängig von den raumtechnischen Anforderungen wurde dieses Raumprogramm im laufenden Planungsverfahren modifiziert und den Nutzervorgaben angepasst. Die Geschosse wurden entsprechend den geforderten Funktionen und Arbeitsabläufen aufgegliedert und sind barrierefrei erreichbar und nutzbar. Neben den Sonderarbeitsräumen wie z.B. Spurenermittlung sowie den Sozialbereichen und dem Schulungsraum dominieren Ein- und Zweipersonenbüros. Einige Fassadenbereiche sind mit durchschusshemmenden Fensterscheiben ausgerüstet. Das Gebäude verfügt über verschiedenste Sicherheitstüren, eine Hausalarm- und Einbruchmeldeanlage sowie eine Videoüberwachung. Mit dem nach modernsten Gesichtspunkten und entsprechend dem „Standardhandbuch“ für Polizeibauten geplanten und fertig gestellten Neubau werden die rund 150 Polizeibeamten hier deutlich verbesserte Arbeits- und Einsatzbedingungen spürbar erleben können.

Die äußere Gestaltung

Die gebogene Fassade wird mit Verblendmauerwerk aus unterschiedlich farbigem Klinkermaterial ausgeführt. Das Sockelgeschoss setzt sich durch den Materialwechsel deutlich ab, wodurch eine Differenzierung des Baukörpervolumens erreicht wird. Eine geschützte Eingangslösung entsteht durch das Einziehen der Ecke. Im Erdgeschoss ist das Verblendmauerwerk mit horizontalen, umlaufenden Zierbändern gegliedert. Je Geschoss und unterhalb der Attika sind ebenfalls gliedernde Bänder ausgebildet.

Bauliche und Technische Besonderheiten - Bauablauf - Sonstiges

  • Vor Beginn der Abbrucharbeiten musste die Herrichtung der Lindenstraße 136 als Interimsunterbringung erfolgen.
  • Ab November 2019 erfolgten die Medientrennung, Schadstoffentsorgung und Abbrucharbeiten.
  • Aufgrund des morastigen Bodens war eine Pfahlgründung erforderlich. Gemäß Bodengutachten und Statik wurden im Herbst 2020, zum Baustart 108 Pfähle mit einem Durchmesser von ca. 60 cm und einer Tiefe von ca. 15 m erschütterungsarm gebohrt. Auf die Oberkante der Pfähle wurde ein Balkenrost gesetzt und darauf die Bodenplatte (Stahlbeton) gesetzt.
  • Zur Sicherung des Nachbargebäudes musste eine Fundamentunterfangung ausgeführt werden.
  • Im Schatten des Rohbaus, auf dem Hofgelände, entsteht gleichzeitig der Carport- und Garagenkomplex für die Dienstfahrzeuge sowie eine 80 kW Netzersatzanlage.
  • Die Nachhaltigkeit der Baumaßnahme wird z.B. durch die Montage einer 18 kW Photovoltaikanlage auf dem Flachdach, die Strom für den Eigenbedarf erzeugt, aber auch durch den Einsatz eines 12 kW BHKW Blockheizkraftwerkes sowie die kompakte Bauweise mit umweltschonenden Bauprodukten unterstützt.
  • Das komplette Erdgeschosses wird flächendeckend über eine Fußbodenheizung mit Wärme versorgt.
  • Die Bewirtschaftung der Liegenschaft, zu der Bewachung, Reinigung, Pflege der Außenanlagen sowie die Versorgung mit Energie und Wasser gehört, verbleibt auch weiterhin beim Objektmanagement des SBL Greifswald.

Die wichtigsten Eckdaten - Ersatzneubau PHR und KK Stralsund

02/2016 Planungsauftrag zur Erstellung der Entwurfsunterlage (EW-Bau)
11/2017 Vorlage EW-Bau
04/2018 Genehmigung EW-Bau
04/2019 - 11/2019 Herrichtung Interimslösung (Lindenstraße 136)
10/2019 Umzug KK und Hundestaffel in Interimsquartier
11/2019 - 06/2020 Baubeginn vorbereitende Maßnahmen: Medientrennung, Baufeldfreimachung, Abbruch Gebäudebestand
06/2020 - 09/2020 Medienerschließung
09/2020 - 10/2020 Baubeginn Neubau - Bohrpfähle und Rohbauarbeiten
05.08.2021 geplante Fertigstellung Rohbau - Richtfest
12/2022

Planungsdaten - Ersatzneubau PHR und KK Stralsund

Bauherr Land Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch den BBL M-V, Geschäftsbereich Neubrandenburg, ab 01/2020 durch das SBL Greifswald
genehmigte Gesamtkosten (inklusive 1. Nachtrag) 11,7 Millionen Euro
 davon Honorarkosten 1,7 Millionen Euro
 davon Kosten für Interimsunterbringung 1,4 Millionen Euro
 davon geplante Kosten für Kunst am Bau 41.000 Euro
Brutto-Grundfläche 3.241 m²
Nutzungsfläche 2.165 m²
Brutto-Rauminhalt 12.706 m³
Planung Gebäude - Architekt gmw planungsgesellschaft mbH, Stralsund
Planung Technische Ausrüstung BLS Energieplan GmbH, Greifswald
Tragwerksplanung Ingenieurbüro Küchler GmbH, Stralsund
Planung Außenanlagen AIU Architekten- und Ingenieurunion Stralsund GmbH
beauftragte Firmen aus MV (Bauleistungen)
Stand: 27. April 2021

Standort Ersatzneubau PHR und KK Stralsund

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