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Neubau für das kulturelle Erbe des Landes Mecklenburg-Vorpommern

16.11.2021 • Depots und Werkstattgebäude in Schwerin
Das Land Mecklenburg-Vorpommern investiert in den Neubau 74 Millionen Euro. Für das Bauprojekt ist das Staatliche Bau- und Liegenschaftsamt Schwerin (SBL) verantwortlich. Ein Planungswettbewerb fand bereits im Jahr 2012 statt, Baubeginn erfolgte im Herbst 2017, der Grundstein wurde am 16. Mai 2018 gelegt. Über den Stand des Bauprojekts informieren wir hier im Text und live von der Baustelle auf der Webcam!

Aktueller Stand

Bereits im Januar 2017 begannen auf dem Gelände in der Johannes-Stelling-Straße die Bauarbeiten, Versorgungsleitungen wurden verlegt und Munitionsreste aus Zeiten militärischer Nutzung geborgen. Zwischenzeitlich ist das Baufeld freigemacht und die Baustelle eingerichtet. Im Januar 2018 begannen die Erdarbeiten und die Errichtung des Rohbaus, der bis Ende Dezember 2019 fertiggestellt worden ist.
Am 29. Juni 2018 wurde das erste Teilstück der Bodenplatte des Bauteils B betoniert. Dabei sind rund 950 m³ Beton eingebaut worden, der mit rund 120 Betonmischern angeliefert worden ist. Eine logistische Leistung, die reibungslos verlief. Im November 2022 sind die Fassaden verkleidet und der Innenausbau ist weit vorangeschritten. Das Bauende ist im I.Quartal 2023 geplant.
Das SBL Schwerin beabsichtigte als verantwortlicher Bauherr, dass die Baukörper der Depots bis zum Jahresende 2018 über das Niveau des ehemaligen Exerzierplatzes der Artilleriekaserne hinausragen und die ersten Lagen Abdichtung auf das Dach gebracht werden. Sie können sich hier über den Baufortschritt auf unserem derzeit größten Kulturbauprojekt live informieren. Erleben Sie mit, wie das Gebäude aus dem Boden wächst und seine geplante Gestalt annimmt.

Aktueller Blick auf die Baustelle. Das Bild wird im Abstand von 15 Minuten aktualisiert.

Hier erscheint in Kürze das aktuelle Webcam-Bild von der Baustelle Depots und Werkstätten in Schwerin an der Johannes-Stelling-Straße.

Zusammenführung des kulturellen Erbes

Die archäologischen und musealen Bestände des Landes Mecklenburg-Vorpommern sind in den letzten zwanzig Jahren überwiegend provisorisch und dezentral gelagert worden. 2009 begannen deshalb die Vorbereitungen für ein zentrales Depot, das künftig eine sachgerechte und geordnete Aufbewahrung der Funde und Sammlungen ermöglichen wird. Parallel dazu wird an der Zusammenführung, Erfassung und auch schrittweisen Dekontamination der Bestände gearbeitet. Vor dem Hintergrund der aktuellen Auslastung der vorhandenen Depots und dem Fehlen von modernen Werkstätten, sowie angesichts der jährlichen Zuwächse ist eine vollständige Auslastung der bestehenden Kapazitäten in Depots des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege (LAKD) und des Staatlichen Museums Schwerin (SMS) absehbar.
Das Projekt sieht vor, den derzeitigen und zukünftigen Bedarf für die Unterbringung von Depots und Werkstätten dauerhaft am Standort Johannes-Stelling-Straße in Schwerin zu konzentrieren. Der Neubau der Depots und Werkstätten für das LAKD und das  SMS hat zwei wesentliche Aufgaben zu erfüllen: Zum Einen die Bewahrung und den  Schutz des Archiv-, Depot- und Kunstgutes des Landes, zum Anderen die Aufarbeitung und Katalogisierung  dieser Archivalien.
Das Erste Anliegen erfordert ein Höchstmaß an Sicherheit und Hermetik, das Zweite soll  durch eine offene, freundliche Arbeitsatmosphäre unterstützt werden. Diese gegensätzlichen  Anforderungen werden in dem Entwurf zu einem Ganzen vereint und zum bestimmenden Thema der  Architektur. Die beiden Erfordernisse werden in klaren Geometrien und einer reduzierten Auswahl von  Materialien umgesetzt. Die Materialwahl ist dabei mehr als der Ausdruck einer dezenten, maßvollen Haltung.

Depotgebäude sind verkörperte Zeit.

Sie bewahren Dokumente der Vergangenheit für uns - und Dokumente unserer Zeit für die Nachwelt. Dies bringt der Entwurf - neben einer reibungslosen Funktionalität - durch eine Materialität zum Ausdruck,  die den Faktor Zeit als vierte Dimension mit einbezieht und sowohl für Veränderung als auch für  Bewahrung steht.

Planungswettbewerb

Das SBL Schwerin (ehemals Geschäftsbereich Schwerin des landeseigenen Betriebs für Bau und Liegenschaften - BBL M-V) lobte im März 2012 einen europaweit offenen Planungswettbewerb aus. Inhalt war der Neubau eines Zentraldepots mit dazugehörigen Werkstätten für das LAKD und für das SMS mit besonderem Schwerpunkt des "Nachhaltigen Planens und Betreibens".
Zu entwerfen war eine Gebäudekubatur mit einem gemeinsam genutzten Werkstattbereich und in drei Cluster aufgeteilten Depots - je eines für Papier, Archäologie und Kunstgewerbe - mit jeweils unterschiedlichen baulichen und technischen Anforderungen.
Zur Lösung der Bauaufgabe wurden Ideen und Konzepte gesucht, die sowohl den städtebaulichen Erfordernissen des Standortes, den spezifischen funktionalen Bedürfnissen der Nutzer sowie den besonderen technischen und energetischen Anforderungen optimal Rechnung tragen. Insgesamt sollen die Depots und Werkstätten ca. 15.000 Quadratmeter Nutzfläche bieten und erweiterbar sein. Als Standort ist die landeseigene Liegenschaft in der Johannes-Stelling-Straße oberhalb des barocken Schlossgartens in der Sichtachse des Schlosses zwischen dem denkmalgeschützten alten Offizierscasino und zwei ehemaligen Artilleriekasernen, die heute die Landesbibliothek und das Finanzamt beherbergen, ausgewählt worden.
Die elfköpfige Jury mit Vertretern aus dem gesamten Bundesgebiet entschied sich während ihrer zweitägigen Sitzung Anfang September 2012 einstimmig für die Arbeit des Berliner Architekturbüros Scheidt/Kasprusch. Im Juryprotokoll heißt es dazu: "Die Verfasser schlagen eine konsequente zweigeschossige Riegelbebauung an der Platzkante zum ehemaligen Exerzierplatz der Artilleriekasernen vor. Es gelingt ihnen damit, eine klare Raumfassung, die in ihrer mäßigen Höhenentwicklung die Dominanz der historischen Bebauung respektiert. Die Depots entwickeln sich nach Süden, wobei der erheblichen Baumasse durch eine geschickte Tiefen- und Höhenstaffelung der einzelnen Depotgebäude die Massivität und Monumentalität genommen wird."

Nachhaltigkeit

Bereits der Planungswettbewerb ist mit Kriterien der Nachhaltigkeit ausgeschrieben worden. In der Auslobung wurde die planerische Lösung einer Vielzahl vorgegebener Ziele gefordert. Zu diesen gehören unter anderem eine kompakte Bauweise mit hohem Standard beim Wärmeschutz, die Erzielung großer solarer Gewinne im Winter und der notwendige Sonnenschutz zur blendfreien Nutzung des Tageslichts sowie ein darauf abgestimmtes Konzept für die Beleuchtung. Ebenso wurde formuliert, dass ein schlankes effizientes Konzept für die Haustechnik zu erstellen ist, dem die Nutzung regenerativer Energieträger, eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung und die mögliche Nutzung des Regenwassers zugrunde gelegt sein muss. Anzustreben ist eine ressourcenschonende Baukonstruktion unter Verwendung umweltfreundlicher einheimischer Rohstoffe. In die Vorprüfung der 60 eingereichten Arbeiten war ein Koordinator für Nachhaltigkeit eingebunden, der alle Entwürfe anhand der Kriterien bewertete.
Trotz der klaren Zielvorgabe, mit dem Neubau der Depots und Werkstätten Silberniveau nach den Bewertungskriterien des Nachhaltigen Bauens (BNB) zu erreichen, ist das vorrangige Ziel nicht eine Zertifizierung sondern die Unterstützung bei der Planung und die Errichtung eines optimal nutzbaren nachhaltigen Gebäudes.

Gebäudekonzept

Der zweigeschossige Neubau des Werkstattgebäudes bildet eine klare Raumkante zum Parkplatz, dem ehemaligen Exerzierplatz der früheren Artilleriekaserne. Eingeschnittene Höfe im Obergeschoss bilden eine Plastizität, die auf die Risalite bzw. die Vor- und Rücksprünge der denkmalgeschützten Kasernen antwortet.
Im südwestlichen Anschluss an die Werkstätten werden auf dem unterhalb des Platzes gelegenen Plateau die Depots errichtet und erscheinen von oben ein Geschoss niedriger als die Werkstätten.
Jeweils das oberste Geschoss der drei Depots ist den zugehörigen Werkstätten im Erdgeschoss ebenengleich zugeordnet. So können schwergewichtige, großformatige oder häufig zu entnehmende Depotgüter schwellenlos und schnell zu beziehungsweise aus den Depots gelangen.
Der Zugang zu den Depots erfolgt ausschließlich über Schleusen, die sowohl der Sicherheit als auch der thermischen Abschottung dienen.
Die geschlossene Fassade verdeutlicht Schutz und Sicherheit. Das Werkstattgebäude ist mit vertikalen Kupferpaneelen bzw. verstellbaren Kupferlamellen gestaltet worden. Die Fassade ist mit einem Raster von 60 Zentimetern gegliedert. Die Kupferlamellen sind drehbar geplant und sollen Schutz vor unbefugtem Einblick bieten sowie die Funktion eines primären Sonnenschutzes übernehmen.
Die geschlossenen Wandbereiche haben eine hinterlüftete vorgehängte Fassade aus Metallkassetten erhalten. Die Kupferbekleidung der Depots besteht aus horizontalen Schindeln unterschiedlicher Höhe. Das Kupferblech wird nicht verwittert eingebaut und hat schon ein einigen Bereichen eine Patina gebildet.
Auch im Inneren der Werkstätten herrschen "echte" Materialien vor. Das Gebäude wurde in der mit Stahlbeton errichtet. Überall dort, wo die Anforderungen an das Licht bzw. die Belichtung es zulassen, wurde der Beton sichtbar gelassen. Technik wird dort sichtbar verlegt, wo es der Brandschutz erlaubt. Die Büros und Werkstätten sind mit zweifachverglasten Metallfenstern ausgestattet.

Planungsdaten für den Neubau Depot und Werkstätten in Schwerin

Bauherr Land Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch das SBL Schwerin
Planungswettbewerb 07/2011
Gesamtbaukosten 74 Millionen Euro
Munitionsbergung, Baufeldvorbereitung 01/2017
Baubeginn 09/2017
Grundstücksgröße ca. 50.000 m²
Größe Baufeld ca. 20.000 m²
Nutzfläche 1. und 2.RA 19.900 m²
Bruttorauminhalt 128.500 m³
Regale 92.000 laufende Meter
Vertikale Hängeflächen 11.100 m²
Nutzer Landesamt für Kultur und Denkmalpflege M-V (Landesarchäologie, Landeshauptarchiv)
Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen M-V (Staatliches Museum Schwerin)
Architekten ARGE Scheidt Kasprusch Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Technische Gebäudeausrüstung energie + bauen Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin
Tragwerksplanung Leonardt, Anrä und Partner - Beratende Ingenieure VBI AG, Berlin
Freianlagen, Ingenieurbauwerke Ingenieurbüro Hadan und Schmidt, Wismar
Projektsteuerung
Stand: 16.November 2021

Standort Neubau Depot- und Werkstättengebäude für das LAKD

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