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Landesbauprojekt wird nachhaltig gebaut

10.05.2017 • Nachhaltiges Bauen
Derzeit entsteht ein neues Institutsgebäude auf dem Campus Südstadt. Bereits in der Planung und in der Bauausführung beachtet der BBL M-V als Bauherr die Regeln des Nachhaltigen Bauens.
Der landeseigene Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern (BBL M-V) ist verantwortlich für den staatlichen Hochbau für Land und Bund in Mecklenburg-Vorpommern sowie für die sach- und fachgerechte Unterbringung der ca. 450 Dienststellen des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Dazu zählen u. a. Polizeidienststellen, Finanzämter, verschiedene Landesämter und sämtliche zivile Gerichtsbarkeiten.
Auf dem Baufeld N3a, so die Bezeichnung der 60 x 30 Meter großen Fläche auf dem Universitätscampus in der Rostocker Südstadt zwischen dem Department Leben, Licht und Materie und dem Leibniz-Institut für Katalyse, investiert das Land Mecklenburg-Vorpommern mit Unterstützung der Europäischen Union 17,2 Millionen Euro in das neue Institutsgebäude. Das Bauprojekt setzt der BBL M-V Geschäftsbereich Hochschul- und Klinikbau um, der als obere Landesbehörde zum Finanzministerium M-V gehört. Entstehen werden in der geplanten Bauzeit von zweieinhalb Jahren bis Ende 2018 etwas mehr als 2.850 m² Nutzfläche für die Forschung und Lehre. Der BBL M-V wendet das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) bei diesem Bauprojekt an.

Nachrichtenbeitrag von TV.Rostock am 12. Mai 2017

Nachrichtenbeitrag auf TV.Rostock zum Neubau Institut für Chemie vom 12. Mai 2017 Nachrichtenbeitrag auf TV.Rostock zum Neubau Institut für Chemie vom 12. Mai 2017 © TV.Rostock / Mediadock GmbH

BNB-Bewertungsmethodik

Grundsätzlich ist die BNB-Bewertungsmethodik eine Arbeitshilfe für Planer und Bauausführende. Sie versucht alle Aspekte der Planung und Ausführung in ein Qualitätsmanagementsystem zu überführen und zwingt die am Bau Beteiligten, die Kriterien des Bewertungssystems zu beachten.
"Ziel des nachhaltigen Bauens ist der Schutz allgemeiner Güter, wie Umwelt, Ressourcen, Gesundheit, Kultur und Kapital. Aus diesem leiten sich die klassischen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit - Ökologie, Ökonomie und soziokulturelle Aspekte - ab, an denen auch die Qualität eines Gebäudes gemessen werden muss. Darüber hinaus sind technische Qualitäten sowie die Prozessqualität zu betrachten, die als Querschnittsqualitäten Einfluss auf alle Teilaspekte der Nachhaltigkeit haben." Quelle
Die unterschiedlichen Qualitäten gliedern sich in so genannte Steckbriefe, welche die einzelnen Schutzziele definieren. Je nach Bedeutung sind diese mit Werten von 1 bis 3 unterschiedlich bewertet.
Die Kriterien werden nicht nur für die Errichtung des Gebäudes sondern über einen Lebenszyklus von 50 Jahren betrachtet. Dadurch können ökonomische und ökologische Aspekte der Planung ganzheitlich über einen langen Zeitraum betrachtet werden. Die Errichtungskosten und Unterhaltskosten eines Gebäudes werden hier sinnvoll ins Verhältnis gesetzt, da die Unterhaltskosten die Errichtungskosten um ein Mehrfaches übersteigen.
Zusammenfassend in einer Gesamtnote werden abschließend die ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Belange im Kontext mit den technischen und prozessualen Leistungen bewertet. Für dieses Projekt wurde als Erfüllungsgrad das Zertifikat Silber durch das Finanzministerium in Schwerin definiert.
Um dies zu erreichen wurde vor Beginn des Verfahrens ein Nachhaltigkeitskoordinator beauftragt, der das Projekt über die gesamte Laufzeit begleitet und die Einhaltung der Kriterien und das Erreichen des Planungsziels überwacht. Nachhaltigkeitskoordinator und BBL M-V haben dann die Nachhaltigkeitsziele definiert.
Bereits im Auswahlverfahren des Planungsteams wurden die Anforderungen des BNB berücksichtigt und Planer gesucht, die bereits mit dem Thema vertraut sind. In der 2. Auswahlstufe wurden die besten Büros zu einer Arbeitsprobe aufgefordert, die die fachliche Eignung für dieses anspruchsvolle Projekt sicherstellen sollte. Aus diesem Verfahren ist das Planungsbüro assmann GmbH als Sieger hervorgegangen.
Bereits während der Planung wurden umfassende Untersuchungen zur bestmöglichen Einhaltung der Kriterien und damit zu einer möglichst wirtschaftlichen Umsetzung der ökologischen, soziokulturellen und technischen Qualität des Gebäudes erarbeitet. Dies wurde durch Variantenuntersuchungen erreicht. Dadurch konnten ua. folgende Optimierungen umgesetzt werden:
  • Optimierung der Nutzfläche zum Gesamtvolumen des Gebäudes, Verzicht einer Unterkellerung
  • Optimierung der Gebäudehülle als Klinkerfassade
  • Reduzierung U-Wert der Fenster
  • Gründach und Regenwassernutzung (Kühlung und WC-Spülung)
  • Energieerzeugung Wärme/Kälte durch Geothermie (Auslegung auf 85% der Arbeit)
  • Rest Fernwärme
  • Nutzung eines Eisspeichers
  • Photovoltaik
Diese Ergebnisse sind im Anschluss in die Ausführungsplanung eingeflossen und sollen jetzt während der Bauphase umgesetzt werden. Um dies zu garantieren, werden alle verwendeten Materialien und Geräte auf ihre technischen und ökologischen Eigenschaften geprüft.
Nach Fertigstellung des Projektes wird in einem Monitoring der Verbrauch einzelner Abnehmer und das Zusammenspiel der an der Energieerzeugung beteiligten Komponenten aufgezeichnet, ausgewertet und nach Bedarf weiter optimiert, um die Effizienz noch weiter zu verbessern.

Planungsdaten - Erweiterungsneubau Institut für Chemie, Universität Rostock

Bauherr Land Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch den Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern, Geschäftsbereich Hochschul- und Klinikbau
Gesamtbaukosten 17,2 Mio. Euro
EU-Förderanteil (EFRE) 8,2 Mio. Euro
Baubeginn 08.2016
geplantes Bauende 2019
Hauptnutzfläche 2.714 m²
Bruttorauminhalt 6.262 m³
Stand: 5. Dezember 2016

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