Sanierung des Kanzleigebäudes auf dem Schlossberg Neustrelitz
20.01.2026 | Fertigstellung
Instandsetzung der baulichen Anlagen im Schlossgarten - Grundinstandsetzung des Kanzleigebäudes Neustrelitz
Das historische, denkmalgeschützte Kanzleigebäude auf dem Schlossberg in Neustrelitz ist eines der ehemals zwei Kavaliergebäude der früheren Schlossanlage. Mit seiner markanten Fassade prägt es das Stadtbild bis heute. Im Auftrag des Staatlichen Bau- und Liegenschaftsamtes (SBL) Neubrandenburg wurde das Gebäude umfassend saniert und für die neue Nutzung als Verwaltungsstandort des Straßenbauamtes Neustrelitz hergerichtet.
Im Zuge der Arbeiten wurden unter anderem Fundamente unterfangen, Säulen stabilisiert und der Schwammbefall an der historischen Schmuckdecke im Besprechungsraum beseitigt. Im Eingangsbereich können Besucher Teile einer Kopie des berühmten Orest-Sarkophags bewundern, dessen Original sich im Besitz des Vatikans befindet.
Das Kanzleigebäude ist der einzige erhaltene Teil der einstigen Schlossanlage von Neustrelitz.
Errichtet wurde es um 1730 durch den Baumeister Julius Löwe als eingeschossiger Bau mit abgewalmtem Mansarddach. Zwischen 1828 und 1834 erfolgte der Umbau unter Leitung des großherzoglichen Baumeisters Friedrich Wilhelm Buttel, bei dem das Gebäude um ein weiteres Geschoss erweitert wurde.
Nach 1945 nutzte die sowjetische Armee das Haus. Ab 1957 diente es als Entbindungsheim, später – nach mehreren Umbauten zwischen 1958 und 1986 – als Ärztehaus.
Von 1996 bis zum Beginn der denkmalgerechten Sanierung im Jahr 2011 stand das Gebäude leer und wurde zeitweise als Lager für Bauteile des Schlosses Mirow verwendet.
Die Sanierung
Alle Arbeiten erfolgten in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern (LAKD M-V). Das Gebäude wurde vollständig entkernt und abschnittsweise unterfangen. Aufgrund statischer Erfordernisse kam eine freistehende Fassadenrüstung mit Schutzdach zum Einsatz, da die Innenwände keinen Verbund mit den Außenwänden aufwiesen. Das Schutzdach diente zugleich der Sicherung des repräsentativen Sitzungssaals im Mittelrisalit des Obergeschosses.
Der Fassadenputz wurde nach historischen Befunden als feiner Kalkputz erneuert. Zierelemente wie Kapitelle, Terrakotten, Friese und Säulen wurden restauriert oder, bei starker Schädigung, originalgetreu neu gefertigt.
In den vermauerten Fensternischen der Giebel sind heute illusionistische Malereien zu sehen, die die ursprüngliche Fensterstruktur nachbilden. Auch die Holzbauteile – etwa Architravbalken, Supraporten und Fenstergewände – wurden sorgfältig aufgearbeitet. Fehlende Teile, wie beim Originalfenster im linken Saalbereich, konnten nach historischem Vorbild ergänzt werden.
Das Hauptdach erhielt eine neue Biberschwanzdeckung, das Mittelrisalit eine Stegfalzdeckung.
Durch den Befall mit Holzschädlingen und Hausschwamm mussten große Teile des Dachtragwerks und die Architravbalken erneuert werden. Der Schaden reichte bis ins Mauerwerk, sodass das Giebeldreieck vollständig abgetragen und neu aufgebaut werden musste.
Die Holzbalkendecken wurden statisch ertüchtigt. Teile der alten Lehmwickeldecke konnten erhalten und durch Unterhangdecken geschützt werden. Zur Anpassung an die moderne Büronutzung wurden neue Fußbodenaufbauten mit Schall- und Brandschutz integriert.
Die Innenräume präsentieren sich heute in einer schlichten, funktionalen und zeitlosen Gestaltung.
Mit dem neuen Treppenhaus im Mittelrisalit konnte zudem die historische Raumstruktur mit dem großen Saal im Obergeschoss wiederhergestellt werden.
Die historische Decke im Sitzungssaal
Der große Sitzungssaal im Obergeschoss bildet das Herzstück des Gebäudes. Seine auf das Jahr 1856 datierte historische Kassettendecke war vor der Sanierung stark beschädigt. Teile des Putzes sowie Holz- und Gipsprofile hatten sich bereits gelöst. Nach der Einrüstung zeigten sich weitere Schäden, sodass nur zwei kleine Felder im Original erhalten werden konnten. Die übrigen Bereiche wurden auf Grundlage der Befunde fachgerecht rekonstruiert.
Die hellbräunlich Putzfelder mit Holzmaserungen und brauner Musterschablonierung sind in Kassetten aus braun gemaserten Profilhölzern gegliedert. Ein blau-beiger Fries mit Mustermedaillons und feinen, von Hand gezogenen Kontur- und Schattenstrichen schließt die Wand nach oben ab. Der Wandgrundton ist in einem dezenten Grau-Blau gehalten. Um Eingriffe in die historische Substanz zu minimieren, verlaufen technische Installationen – wie Elektroleitungen – unauffällig in Brüstungskanälen entlang der Außenwände.
Übergabe und heutige Nutzung
Im Jahr 2014 wurde die Sanierung erfolgreich abgeschlossen. Seitdem dient das Kanzleigebäude dem Straßenbauamt Neustrelitz als Dienstgebäude.
Die Bewirtschaftung erfolgt durch das Objektmanagement des Staatlichen Bau- und Liegenschaftsamtes Neubrandenburg.
Sanierung des Kanzleigebäudes Neustrelitz
Bauherr
Land Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch das BBL M-V
Maßnahmen zur Erhaltung, Wiederherstellung und Aufwertung kulturhistorischer Bausubstanz zum Schutz und der Erhaltung des ländlichen Kulturerbes bei Schlössern, Gutsanlagen und Parks
Grundinstandsetzung Kanzleigebäude
Dieses Projekt ist kofinanziert aus Mitteln des Landes Mecklenburg-Vorpommern und wird
mit Beteiligung des Finanzministeriums Mecklenburg-Vorpommern umgesetzt