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Instandsetzung Amtsgericht Güstrow

12.12.2011 | Allgemeiner Landesbau
Der 1823 bis 1825 errichtete klassizistische Putzbau, 1877 erweitert und 1929 durch Brand zerstört, wurde 1931 als Amts- und Landgericht wieder aufgebaut. Nach fast zweijähriger Bauzeit wurde das zweigeschossige durch unseren BBL M-V Geschäftsbereich Neubrandenburg instandgesetzte Gebäude im Mai 2011 für 5,1 Mio. € an den Nutzer übergeben.
Das Amtsgericht war bis zum Baubeginn an zwei Standorten in Güstrow untergebracht. Für die Instandsetzung des Amtsgerichtsgebäudes am Franz-Parr-Platz wurde zur Schaffung der Baufreiheit vorab das Wohnheim 2 auf dem Gelände der Fachhochschule Güstrow als Interimslösung hergerichtet sowie das Wohnheim 3 als Grundbuchamt als endgültige Lösung umgebaut. Mit der Instandsetzung des Amtsgerichtsgebäudes sind alle Nutzungseinheiten am Franz-Parr-Platz angesiedelt. Die angemietete Außenstelle in der Plauer Straße wurde aufgegeben.
Das Amtsgerichtsgebäude selbst erhielt ein neues zweites Treppenhaus mit Aufzug. Mit dem Aufzug ist das Gebäude jetzt barrierefrei erschlossen. Der Aufzug führt bis in den Keller des Westflügels und verbindet die vier Vorführzellen mit den vier Sitzungssälen.
Der große Sitzungssaal hat eine mobile Trennwandanlage erhalten und kann so in zwei kleinere Säle getrennt werden. Weiterhin wurden Dach und Fassade dem Denkmalschutz entsprechend hergerichtet. Die hofseitige Gaube wurde zurückgebaut und das komplette Dach mit neuen Dachziegeln gedeckt.
Die Fassade erhielt die Farbfassung der 1930er Jahre. Die im Jahr 1879 bei weiteren Umbauten entstandene Wappenkartusche mit den Skulpturen "Justitia" (Tugend des Rechts) und "Prudentia" (Tugend der Weißheit) wurde restauriert, die fehlende und verschollene Ensemble schmückende Krone des Wappens wurde in einer Keramikmanufaktur nachgebaut. Weitere Skulpturen und Ornamente wurden restauriert bzw. teilweise durch neue ersetzt.
Der Archivbereich mit Rollregalanlage ist jetzt über dem großen Verhandlungssaal angesiedelt. Dafür ist eine neue Stahlbetondecke eingebaut.
Weiterhin wurden Maßnahmen zur Schaffung der Barrierefreiheit speziell in Hinblick auf sensorisch Behinderte umgesetzt. Dazu gehören unter anderem taktile Orientierungsmodelle, taktile Wegeführung, Induktionsschleifen für Hörgeräte sowie ein taktiles und mit Brailleschrift versehenes Beschilderungssystem.
Das Gebäude hat eine komplett neue Elektro- und Heizungsinstallation erhalten. Zusätzlich wurde für die Verhandlungssäle eine Lüftungsanlage gebaut. Eine neue Brand- und Einbruchmeldeanlage dient sowohl dem Personen- als auch dem Sachschutz.

Bauliche Geschichte des Amtsgerichtes

Das Gebäude wurde als klassizistischer zweigeschossiger teilunterkellerter Putzbau in den Jahren 1823 bis 1825 als Justizkanzlei erbaut. 1877 bis 1879 wurde es durch Friedrich Eduard Koch zum Großherzoglichen Land- und Amtsgericht durch den Anbau zweier unterkellerter Seitenflügel und die Aufstockung des 2. Obergeschosses erweitert. Die Erweiterungen in den Jahren 1877 bis 1879 entstanden nach Vorbild toskanischer Renaissance-Villen. Nach einem Brand um 1929 wurde 1931 das Gebäude Land- und Amtsgericht. Es wurde saniert, die Fassade geändert, die Eckbereiche der Seitenflügel angehoben und ein neues steileres Satteldach mit Biberdeckung und rückwärtigen Gauben ausgeführt. Im Treppenhaus wurde eine neue Treppenanlage eingebaut. In den 70er bis 80er Jahren des letzen Jahrhunderts wurden die rückseitigen Fenster des Treppenhauses zwischen Erdgeschoss und 1. Obergeschoss zu einem großen Fenster umgestaltet. Im Bereich des großen Verhandlungssaales wurde eine abgehangene Decke im Dach eingezogen. Die Deckenkonstruktion von 1931 wurde bei der damaligen Renovierung komplett entfernt.