Zum Content springen

Hörsaalgebäude und Historisches Institut zum Tag der Architektur am vergangenen Samstag geöffnet

26.06.2017 • Tag der Architektur
Beim diesjährigen Tag der Architektur am 25.06.2017 wurden durch den Geschäftsbereich Hochschul- und Klinikbau des BBL M-V zwei Baumaßnahmen präsentiert: Das instandgesetzte Historische Institut auf dem Innenstadt-Campus und der Neubau der Hörsäle auf dem künftigen Campus Loefflerstraße.
Der Campus Loefflerstraße ist eine Konversionsmaßnahme, bei der die ehemaligen Kliniken aus der Kaiserzeit zwischen Loefflerstraße, Hunnenstraße und dem Ryck für die Nutzung durch die Geistes- und Sozialwissenschaftliche Fakultät erschlossen werden. Nicht nur aufgrund des Bauvolumens von rund 65 Millionen Euro ist die Maßnahme von erheblicher Bedeutung für die Innenstadt und den Wissenschaftsstandort Greifswald.
Neben den Hörsälen und der neuen Bibliothek mit Gesamtbaukosten von rund 22 Millionen Euro entsteht durch die Sanierung und eine Erweiterung des ehemaligen Wirtschaftsgebäudes und der Sanierung der Alten Chirurgie und der ehemaligen Inneren Medizin das Gefüge des neuen Campus.
Grundlage für die Planung ist der Wettbewerbsgewinn des Architekturbüros Eßmann, Nieper und Gärtner aus Leipzig von 2011, dass sich auch für die beiden Neubauten und die künftige Mensa verantwortlich zeigt. An den bereits fertiggestellten Neubauten wird das zentrale Entwurfsthema, die gelungene und moderne Interpretation hanseatischer Backsteinarchitektur, deutlich; besonders augenfällig erlebbar an der Giebelseite der neuen Bibliothek. Die fast fertige Fassade der künftigen Mensa und das gegenüberliegende neue Audimax lassen die künftige spannungs- und beziehungsreiche Architektur, die sich zwischen den Campusgebäuden entwickeln, wird bereits jetzt erahnen.
Lutz Dropczynski, Bauleiter des Architekturbüros, führte 76 Architekturenthusiasten durch das Gebäude, die sich auch vom Starkregen nicht haben abhalten lassen, das Hörsaalgebäude aufzusuchen. Jens Rott vom BBL M-V gab einen Überblick über die Gesamtmaßnahme, das Budget und die Bedeutung für die Stadt. Projektleiterin Katrin Klein, ebenfalls vom BBL M-V, beantwortete weitere Fragen der Besucher. Während die Bibliothek bereits im Jahr 2015 eröffnet war, erfolgte die Fertigstellung und Übergabe des Audimax im August 2016 nach etwa zweieinhalbjähriger Bauzeit.
Die Sanierung des historischen Instituts der Ernst-Moritz-Arndt-Universität wurde durch das Architekturbüro Stadt und Haus aus Wismar geplant und umgesetzt. Das Gebäude ist 1910 bis 1911 durch Landbauinspektor Lucht in schlichtem Jugendstil errichtet worden und musste 2010 wegen Einsturzgefahr teilweise gesperrt werden. Die nun erfolgte Sanierung des wichtigen denkmalgeschützten Gebäudes auf dem Innenstadt-Campus hat ein Gesamtbauvolumen von rund 4,5 Millionen Euro. Der Baubeginn erfolgte Juli 2015. Nach annähernd zwei Jahren ist das Gebäude nun fast übergabereif.
Bei der zweiten Greifswalder Führung des BBL M-V am Nachmittag wurde das Architekturbüro Stadt und Haus aus Wismar durch den Bauleiter Stephan Tarnowski vertreten, der 82 interessierten Besuchern das Projekt in allen Einzelheiten unter mittlerweile aufgerissenem Himmel vorstellte. Von BBL M-V-Projektleiterin Birgit Hoth und dem Dezernatsleiter Jens Rott wurde das Projekt in den Kontext des Innenstadtcampus gesetzt und der Vortrag mit zahlreichen Fakten angereichert.
Besonders reizvoll an dem Gebäude ist der momentane Zustand. Das Haus ist fast fertig, die Baustelle jedoch noch zu spüren und zu sehen, die großartigen Räume können noch unmöbliert ihre Wirkung entfalten, also ein ideales Objekt zum Tag der Architektur. Bemerkenswert an der Sanierung ist zum einen die detailreiche Umsetzung der denkmalpflegerischen Konzeption, etwa bei der Deckenbemalung im Treppenhaus, den aufgearbeiteten Türen oder dem historischen Hörsaalgestühl, die bei aller Verfremdung durch moderne Zutaten noch ein wenig von dem erahnen lassen, wie das Gebäude zur Entstehungszeit auf seine Nutzer gewirkt haben muss. Zum anderen ist die eindeutige Haltung des Architekten mit dem Umgang von Altem und Neuen ebenso beachtlich. In äußerster Konsequenz ist es dem Architekten gelungen, neue Einbauten erkennbar abzusetzen. Das Neue steht dabei stets in schlichter und selbstverständlicher Eleganz, im kleinen Detail, wie auch im Großformat bei dem neuen Treppenturm neben dem Alten.
Der Tag der Architektur ist immer auch ein Tag der Architekten. Der BBL M-V nutzt die Gelegenheit deswegen auch gerne um sich bei den freien Architekten für die mit großem Engagement geleistete gute Arbeit bei den Baumaßnahmen zu bedanken.

Weitere Artikel in dieser Rubrik