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Maßnahmen zur Erhaltung, Wiederherstellung und Aufwertung kulturhistorischer Bausubstanz zum Schutz und der Erhaltung des ländlichen Kulturerbes bei Schlössern, Gutsanlagen und Parks
Schlosspark Ludwigslust - Grundinstandsetzung der baulichen Anlagen

Grundinstandsetzung der baulichen Anlagen im Schlosspark Ludwigslust

27.06.2018 • ELER Im BBL M-V
Die Europäische Union (EU) unterstützt u. a. die Entwicklung strukturschwacher Regionen auf unserem Kontinent. Damit möchte die Gemeinschaft der 28 Mitgliedsländer unterschiedlich stark bzw. schwach entwickelte Gebiete einander angleichen. Einen Teil dieser Investitionen setzt der landeseigene Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL M-V) in Mecklenburg-Vorpommern um.

Historie

Bauliche Anlagen im Park, wie der sogenannte Kaisersaal wurden ursprünglich mit Skulpturen nach antiken Vorbildern römischer Kaiser geschmückt. Diese waren aus dem Ludwigsluster Carton gefertigt und wetterfest imprägniert. Ziervasen, Denkmäler und Büsten betonen die Schnittpunkte der Achsen oder liegen in späteren Zeiten versteckt in der Parkanlage.
Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Schlossgarten zu einem Landschaftspark umgeformt und durch Staffagebauten wie das Schweizerhaus (1789) und die Grotte (1788/ Nutzung als Eiskeller) aus Raseneisenstein ergänzt.
1804 wurde das Helenen-Paulownen-Mausoleum im neoklassizistischen Stil erbaut. Es ist ein mit Putz aus Kalk verkleideter Ziegelsteinbau auf einem rechteckigen Grundriss von ca. 20 x 12 Metern. Den Eingang bildet eine von vier Sandsteinsäulen dorisch-toskanischer Ordnung getragene Vorhalle (Peristyl). Am Architrav ist in vergoldeten Buchstaben die Widmung HELENEN PAULOWNEN angebracht. Neun Stufen führen zur Tür aus Mahagoni, die mit Bronze verziert war. Durch ein Vestibül kommt man in die innere Grabkapelle. Im Obergeschoss des Vestibüls, aus dem eine Treppe hinaufführt, befand sich eine russisch-orthodoxe Kapelle. Herzog Friedrich Franz I. ließ nach dem Tod seiner Frau Luise (1. Januar 1808) in den Jahren 1809/1810 für sie ein Mausoleum nach einem Entwurf von Johann Georg Barca errichten. Der im Vergleich zum Helenen-Paulownen-Mausoleum einfachere Bau ist ein schlichter gegliederter Kubus mit Lünettenfenstern und hat die Grundform eines Rechtecks. Fünf Stufen, auf denen zwei Löwen aus Sandstein ruhen, führen zur Eingangstür. Im Giebelfeld sind zwei ägyptische Sphinxe in Hochrelief angebracht. Der Eingang wird durch eine eiserne Gittertür verschlossen. Im Architrav steht in vergoldeten Buchstaben die Widmung LOUISEN. Auf dem Giebel erhebt sich ein vergoldetes lateinisches Kreuz. 1861 wurde der Bau umgestaltet und erhielt die Löwen und das Giebelkreuz. Eine weitere Erneuerung erfolgte gegen Ende des 19. Jahrhunderts.
In den 1840er Jahren wünschte Herzog Friedrich Franz II. eine Erneuerung der Gartenanlagen und ließ 1850 westlich des Schlosses einen Teepavillon anlegen.

ELER

In der ELER-Förderperiode 2007 bis 2013 wurden die nachfolgend umfangreich aufgeführten Baumaßnahmen, die sich aus zwei Teilen zusammensetzten, Teil 1 Freianlagen und einem 2. Teil Hochbauliche Anlagen, erbracht.

Teepavillon

Um eine nachträgliche horizontale Abdichtung herstellen zu können, wurden die Fundamente für die Bauzeit freigelegt und anschließend wieder bis zur Oberkante Terrain verfüllt. Zudem wurden die Granitstufen demontiert und nach der Erneuerung der Fundamente wieder fachgerecht verlegt. Der Putz einschließlich seiner Profilierungen musste geprüft und teilerneuert werden. Der Innen- und Fassadenanstrich wurde nach dem historischen Befund wiederhergestellt. Im Dachbereich erfolgte eine Teilerneuerung der Schiefereindeckung und der Kupfergrate. Am Dachstuhl waren geringfügige Zimmerarbeiten sowie der Einbau von Dachentlüftungen erforderlich. Der Dachaufsatz wurde repariert und neu vergoldet.

Louisen-Mausoleum

Am Louisen Mausoleum wurden die Traufplatten hergerichtet und Einfassungen aus Flachstahl verlegt. Die Fassade sowie Wand- und Deckenflächen wurden gereinigt und ausgebessert. Zudem sind Teile der Imitationen der Innenwände und des Sockels aus Granit und Marmor entsalzt, restauriert und rekonstruiert worden. Der Deckanstrich wurde erneuert und das Dach einer Revision unterzogen.

Helenen-Paulownen-Mausoleum

Umfangreiche Putz- und Stuckarbeiten an den Wand- und Deckenflächen sowie Pilastern waren erforderlich. In den Wänden der Gedächtniskapelle wurden elektrische Matten zur Temperierung installiert. In diesem Zusammenhang mussten geschädigte Wandflächen mit Marmorimitation abgenommen und rekonstruiert werden. In der Apsis erfolgte die Rekonstruktion der historischen Deckenfassung unter Beibehaltung einer archäologischen Befundfläche. Stuckfries und Deckenfelder einschließlich der Vergoldungen wurden restauriert.
Im Oberlichtbereich war zum einen der Einbau einer zeitgemäßen Wärmedämmung zu realisieren und zum anderen die bauzeitliche Schablonenmalerei "laufender Hund" zu rekonstruieren. Die Decke im russisch-orthodoxen Andachtsraum ist mit Kalkputz versehen worden. Sowohl die Malerarbeiten auf Putz und Stuck als auch auf Holz- und Metallbauteilen sind nach Befunden und historischen Dokumenten ausgeführt. Neben einigen Klempnerarbeiten für den Sanitärbereich sind auch zahlreiche technische Installationen von Sicherheits- und Brandschutzelementen erbracht worden.
Die vielseitigen Tischlerarbeiten erstreckten sich von der Aufarbeitung historischer Türen und Rollläden, über die Reparatur der vorhandenen Holztreppe bis hin zum Neubau eines Treppenlaufes unter Verwendung der historischen Geländer.
Fußböden verschiedener Ausbildung wie Terrazzo, Fliesen und Kalksteinplatten mussten gereinigt, geschliffen, ergänzt und verfugt werden. Die vorhandenen Messingtafeln und Kreuze wurden gereinigt und überarbeitet, ein fehlendes Kreuz nachgebaut.
Die in Marmor rekonstruierten Schmucksarkophage wurden anhand des Archivblattes der Grablege aufgestellt. Die Steinmetze überarbeiteten auch die weiteren Marmor- und Sandsteinelemente wie Stufen und Bekleidungen.

Kaisersaal

Im Bereich Kaisersaal wurde zunächst die Oberfläche des Geländes durch Abtragungen, Rodungen, Erdarbeiten, Freilegung von Fundamenten, Postamenten und Terrakotten vorbereitet. Anschließend konnte eine befestigte, wassergebundene Fläche mit einer Flachstahleinfassung hergestellt werden.
Insgesamt sind acht Postamente aus Sandstein für die Rekonstruktion des Kaisersaals erforderlich. Ein Postament war im Schloss vorhanden, wurde überarbeitet und wiederverwendet. Vier Postamente wurden bei den Erdarbeiten gefunden, sie konnten überarbeitet und ebenso wiederverwendet werden. Drei Postamente mussten gemäß dem Original nachgefertigt werden. Bei den weiterführenden Erdarbeiten wurde jedoch ein Postament an einer nicht zu vermutenden Stelle im Geländebereich gefunden. Dieses wurde unbearbeitet in die spätere Ausstellung übernommen. Die Postamente wurden mit zusätzlicher Verankerung an den eingemessenen Stellen in Anlehnung an den Plan von R. Vogeler von 1888 auf neugefertigte Betonfundamente aufgesetzt.
Für die Rekonstruktion der acht Terrakotta-Vasen auf der Grundlage der geborgenen Terrakotta-Scherben wurde die Abbildung vom Musterblatt aus dem Katalog von 1880-1888 der "Ernst Marchs Thonwaaren-Fabrik in Charlottenburg" hinzugezogen. Die Vasen wurden mittels Edelstahldornen auf die Postamente montiert.

Grotte

Bei der Grotte wurden zunächst der Mauerfuß und das Fundament aus Feldsteinen freigelegt sowie Reste des Bewuchses entfernt. Die Sanierung der Mauern aus Raseneisenstein erfolgte durch Abbürsten, Auskratzen der Fugen, Wiederherstellen von Verzahnungen im Mauerwerk, Ausmauern von Löchern, Korrigieren von statisch unsicheren Stellen und desolaten Bereichen in der Mauerkrone. Teilweise musste mit neuem, artgleichen Material ergänzt werden. Zur statischen Sicherung einiger Abschnitte der Mauer kamen Anker aus Edelstahl zum Einsatz. Das Ausfüllen erfolgte fachgerecht mit Aushubmaterial. Die drei Treppenanlagen wurden aufgenommen, teilweise ergänzt und neu gesetzt.

Einfassung Puschkingrab

Die Grabplatte aus Sandstein wurde aufgenommen, gereinigt und wieder in einem stabilen Unterbett verlegt. Die Fläche zwischen Grabplatte und Fundament wurde mit Feldsteinen gepflastert. Der Schmuckzaun wurde in Gusseisen gefertigt, feuerverzinkt und farbbeschichtet montiert.

Denkmal Friedrich Franz I.

Das Ziel der Sanierung für die Mosaikfläche um den Denkmalsockel herum bestand darin, die geforderte Verkehrssicherheit herzustellen und den denkmalpflegerischen Anspruch zu erfüllen. Die südwestliche Fläche wurde vorsichtig gereinigt und konnte überarbeitet werden, eine Estrichschicht und eine unpassende Pflasterung wurden ausgewechselt. Am Denkmal hat man lediglich die Gesamtfläche unter Verwendung biologisch abbaufähiger Reinigungsmittel gesäubert und somit von Pflanzenbewuchs befreit. Einzelne Stellen im Pflaster mussten zur Verkehrssicherung ergänzt, Randfugenbereiche ausgebessert und Fugen des Mosaikpflasters mit Brechsandgemisch verfüllt werden.

Denkmal Friedrich Franz III.

Hier konnten die erforderlichen Maßnahmen auf die Modellierung des Geländes beschränkt werden, da die Ausbrüche und Schadstellen am Granit gering sind und keine Gefahr für das Denkmal bedeuten. Jegliche Ausbesserungen an der polierten Oberfläche würden sich erheblich auffälliger abzeichnen. So wurde nach dem Anfüllen des Bodens bis an die Oberkante des freiliegenden Fundamentes des Denkmalsockels eine neue Grasdecke verlegt.

Louisendenkmal

Nach der Prüfung des Fundamentes konnten der Sockel und die Stufen restaurativ überarbeitet und die Fugen erneuert werden. Zudem erfolgte eine mechanische Reinigung und Restaurierung des Marmordenkmals mit Austausch und Reparatur von Postament und Aufsatz der Vasen. Krusten und Verschmutzungen wurden entfernt, Vergoldungen repariert. Der fehlende Henkel am Aufsatz der Vasen wurde in Anlehnung an eine historische Fotografie rekonstruiert.

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