Behördenzentrum Rostock, Blücherstraße 1-3 Unterbringung von Landesdienststellen
13.10.2025 • EFRE im SBL M-V
In der Hansestadt Rostock wurde auf der Liegenschaft Blücherstraße 1 - 3 ein Behördenzentrum (BHZ) für vier Landesbehörden errichtet. Verantwortlich für das Bauvorhaben war das Staatliche Bau- und Liegenschaftsamt (SBL) Neubrandenburg. Die Liegenschaft besteht aus einem Bestandsgebäude und zwei Neubauten. Die bestehenden Gebäude wurden umfassend saniert, sodass ein "Grünes U" entstanden ist.
Das Bauprojekt wurde im Auftrag des Landes vom SBL Neubrandenburg umgesetzt. Durch die Herrichtung konnten Anmietungen in Rostock sowie in Bützow aufgegeben und die Landesdienststellen in der Rostocker Innenstadt zusammengeführt werden. Gleichzeitig blieb ein markanter Gebäudekomplex (Haus 1 bis 3) aus mehreren Baukörpern erhalten, der das Stadtbild prägt. Dazu gehörte die Sanierung und funktionale Wiederbelebung des leerstehenden Komplexes der ehemaligen Polizeidirektion aus den 1950er Jahren.
Das frühere Gebäude Haus 4 (altes Ärztehaus) wurde abgebrochen. Das Ensemble ist nun durch zwei Neubauten (Haus 4 und 5) ergänzt. Der Neubau Haus 4 schließt an den Bestand Haus 3 an, während Haus 5 als eigenständiger Baukörper mit einer Brückenverbindung zu Haus 1 an der Straße Am Güterbahnhof errichtet wurde. Das Grundstück ist ein zentraler Bestandteil des Sanierungs- und Entwicklungsgebiets "Ehemaliger Güterbahnhof".
Grundidee der Gesamtplanung war es, die historische Blockrandstruktur des Quartiers durch straßenbegleitende Neubauten in der Ferdinandstraße und an der Straße Am Güterbahnhof wiederherzustellen. Gleichzeitig wurde das Konzept des "Grünen U" verfolgt: die Einbeziehung angrenzender Grünbereiche und die Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten in Gebäude, Freianlagen und energetischer Ausstattung.
So entstanden separate Adressen für die Landesämter, flexible Grundrisse und die Möglichkeit einer späteren Umnutzung. Die Fassaden wurden im ursprünglichen Erscheinungsbild saniert, die Gebäude sind barrierefrei erschlossen. Durch den Einsatz regenerativer Energien wie Geothermie und Photovoltaik ist ein energieoptimierter und langfristig wirtschaftlicher Betrieb gesichert.
Die neuen Räumlichkeiten sind auf die spezifischen Bedürfnisse der Nutzer zugeschnitten (z. B. Laborräume) und entsprechen den neuesten IT-Standards. Der Innenhof ist als "grüne Oase" gestaltet und bietet eine hohe Aufenthaltsqualität. Für die Zukunft besteht die Option, das Areal durch einen weiteren straßenbegleitenden Ergänzungsbau im Innenhof zu komplettieren.
Landesbehörden im BHZ
Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS)
Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt - Mittleres Mecklenburg (StALU-MM)
Landesamt für Verkehr und Straßenbau (LS)
Referatsgruppe 13 des Justizministeriums
Historie des Gebäudes
Das Bestandsgebäude wurde in den 1950er Jahren errichtet. Der Baustil des Bestandes ist dem sozialistischen Klassizismus zuzuordnen. In Rostock wurde der sozialistische Klassizismus mit Formelementen der norddeutschen Backsteingotik kombiniert.
Architektur des Gebäudes
Die Stadt Rostock stellte die städtebauliche und denkmalpflegerische Vorgabe, die straßenseitig einsehbaren Fassaden des Bestandsgebäudes in ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild bis hin zur Ausbildung der Details zu erhalten.
Das Bestandsgebäude bestehend aus den Häusern 1 bis 3, weist unterschiedliche Geschossigkeiten auf: Häuser 1.1, 2 und 3.1 besitzen fünf Geschosse, Haus 3.2 sechs und Haus 1.2 acht Geschosse. Die Fassadenansicht des Bestandsgebäudes wurde als sanierte Putzfassade erhalten. Die Neubauten, Haus 4 und 5, orientieren sich in ihrer Gestaltung am Bestand, interpretieren ihn jedoch zeitgemäß. Sie erhielten Fassaden aus Metallkassetten und greifen die vertikale Gliederung sowie die Fensterformate des Altbaus auf, wodurch ein harmonisches Ensemble entsteht. Haus 4 und 5 sind in Teilvolumen gegliedert, die den inneren Nutzungen entsprechen. Transparente Fassadenbereiche sowie Erschließungs- und Kommunikationszonen setzen sich deutlich von den Büro- und Laborbereichen ab. Von Seiten der Stadtplanung und Denkmalpflege der Hanse- und Universitätsstadt Rostock gab es keine abweichenden Anforderungen.
Für die Gründung der Neubauten wurde eine Bohrpfahlgründung gewählt. Unter Haus 5 wurden 90 Pfähle mit bis zu 15 m Länge eingebracht, unter Haus 4 insgesamt 130 Pfähle mit bis zu 16 m Länge.
Im Hauptgebäude (Haus 1 bis 3) wurden in strenger Anlehnung an die Situation des Bestandes die Fassaden und Fenster saniert bzw. ausgetauscht. Im Innern der Gebäude ist die Gebäude- und Grundrissstruktur erhalten geblieben und wird den Gesichtspunkten einer modernen Unterbringung von Behörden gerecht. Mit Bereichen für Archive in den Untergeschossen und mit Medientechnik ausgestattete Beratungsräume werden die Raumbedarfe zeitgemäß umgesetzt.
Für die Archive in den Untergeschossen wurden Rollregale eingebaut. Zudem wurden 90 Micropfähle mit je 8,5 m Länge zur Stabilisierung des Baugrunds gesetzt.
Der begrünte Innenhof bietet den Mitarbeitenden Aufenthaltsqualität, während 98 Stellplätze (davon fünf barrierefrei) gemäß der Stellplatzsatzung der Stadt Rostock geschaffen wurden.
EU-Förderung
Die energetische Sanierung des Bestandsgebäudes wurde mit rund 8 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.
Gebäudetechnik
Das Energiekonzept basiert auf Geothermie und Photovoltaik. Durch die Sanierung der Bestandsgebäude wurde die energetische Qualität der Gebäude erheblich verbessert. Die Berechnungen gemäß EnEV / DIN V 18599 zeigen, dass der Primärenergiebedarf um 64,3 Prozent unter dem Anforderungswert liegt und die Wärmedurchgangskoeffizienten um mindestens 20 Prozent unterschritten werden.
Die Photovoltaikanlage versorgt die Gebäude mit Strom für Beleuchtung, Wärmepumpe, Lüftungsgeräte und Wasserpumpen. Das gesamte Behördenzentrum ist mit LED-Leuchten ausgestattet.
Das Archiv erhielt eine Lüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung. Die Abwärme der Serverräume wird zur Beheizung genutzt. Die Kühlung außerhalb der Heizperiode erfolgt über eine Kompressionskältemaschine, die über die Geothermieanlage rückgekühlt wird.
Die Beheizung erfolgt mit Nutzung von Erdwärme über eine Wärmepumpe in Verbindung mit Erdsonden.
Kunst-am-Bau
Im Rahmen der Kunst am Bau fand ein nicht offener Wettbewerb statt. Professionelle Kunstschaffende aus Deutschland konnten sich in einem zweistufigen Verfahren in einem nichtoffenen, anonymen Kunst-am-Bau-Wettbewerb mit einem vorgeschalteten, offenen, anonymen Bewerberverfahren mit einem Ideenwettbewerb bewerben. Gegenstand des Wettbewerbs war die Gestaltung der städtebaulichen Eingangssituation des BHZ an der Richard-Wagner-Straße Ecke am Güterbahnhof zzgl. der zwei Eingangsbereiche der Dienstgebäude einschließlich der Eingangs- und Treppenhausbereiche der Dienstgebäude Haus 1 und 3 in der Blücherstraße. Sie sollten mit Kunstobjekten außen und/oder innen bespielt werden. Das Preisgericht wählte mehrheitlich die Arbeit von Marike Schreiber aus Wesenberg mit dem Titel "Amber – Habitat" als Siegerentwurf aus.
Der Teil "Amber" der zweiteiligen Arbeit wird mit eigener "Poesie" als Kostbarkeit mit dynamischem Erscheinungsbild wahrgenommen. Die Aufhängung der Installation erfolgte im Treppenhaus des Haus 3. Die auf einem Edelstahlseil acht aufgereihten tropfenförmigen Glasobjekte wirken durch Form und Farbe wie Harztropfen oder Bernstein. Die Intention der Künstlerin ist: Harz tritt nach natürlichen oder künstlichen Verletzungen als zähflüssige Masse aus bestimmten Pflanzen (v. a. Bäumen) aus und verschließt Wunden. Ähnlich sorgt das Landesamt für Gesundheit und Soziales für gesunde Lebensbedingungen der Bevölkerung und stellt wertvolle, soziale Leistungen wie z. B. das Elterngeld bereit.
Bernstein (früher auch im Deutschen Amber) ist ein Schmuckstein aus fossilem Harz und ist besonders typisch für den Ostseeraum. Er ist im eigentlichen Sinne kein Stein, sondern organischen Ursprungs. Ihm wird nachgesagt, dass er durch seine gelbe Farbigkeit, Lebensfreude und Optimismus evoziert und das Gemüt beruhigen und Ängste lindern kann.
Die Arbeit "Habitat" ist eine grafische Messingskulptur nach Vorlage eines toten Baumstamms. Installiert wurde die Skulptur an der Wand im Treppenhaus Haus 1, direkt gegenüber dem Eingang.
Die Form der Skulptur wurde aus einer 8 mm dicken Messingplatte ausgeschnitten und die Zeichnung auf der Skulptur graviert. Die Intension der Künstlerin ist: Für zahlreiche, spezialisierte Lebewesen ist Totholz ein wichtiger Lebensraum.
Förderung der Energieeffizienz in öffentlichen Gebäuden
Behördenzentrum Rostock, Blücherstraße 1-3 Unterbringung von Landesdienststellen
Dieses Projekt ist kofinanziert aus Mitteln des Landes Mecklenburg-Vorpommern und wird
mit Beteiligung des Finanzministeriums Mecklenburg-Vorpommern umgesetzt