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Gründliche Bestandsaufnahme - Orangerie erlebt zahlreiche Veränderungen

25.04.2017 • Orangerie Neustrelitz
In der Orangerie Neustrelitz laufen seit Jahresbeginn umfangreiche Voruntersuchungen, deren Ergebnisse in die Planungen einfließen werden. Im Auftrag des Betriebs für Bau und Liegenschaften (BBL M-V) haben die Restauratoren Prodenkmal aus Berlin/Bamberg den Zustand der Orangerie genauer untersucht.
Einen Einblick in die ersten Untersuchungsergebnisse gab der BBL M-V am 12. April 2017 in der Orangerie.
Die Bestandsaufnahme spiegelt die vielen Umbauten, Restaurierungen und Instandsetzungen wider. Sie sind zugleich Ergebnis der Nutzungsgeschichte des Gebäudes. Das Winterdomizil für exotische Pflanzen wurde 1842/43 nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel unter der Leitung von Friedrich Wilhelm Buttel zum Gartensalon für höfische Gartenfeste der großherzoglichen Familie umgebaut. Dies gilt als die glanzvollste Zeit, die das Gebäude erlebt hat.
Von 1929 bis in die Gegenwart wurde die Orangerie gastronomisch genutzt und mehrfach den sich wechselnden Ansprüchen angepasst. In einer ersten Phase erfolgte in den 1930er Jahren die Erweiterung des Gebäudes stadtseitig durch die Exedra sowie eine Vergrößerung des Küchenbereichs durch einen Erweiterungsbau. Die Wandfassungen in den drei Sälen wurden stark überarbeitet und teilweise infolge der geänderten Erschließung der Räume über die Exedra verändert.
Die Folgen des intensiven Gaststättenbetriebs erforderten in den 1950er Jahren eine weitere Restaurierung der stark in Mitleidenschaft gezogenen Wand- und Deckenmalereien sowie die Ertüchtigung des Dachtragwerks. In den 1970er- bis 1990er Jahren erfolgte der Versuch der umfassenden Zurückführungen der Decken- und Wandmalereien auf die ursprünglichen Fassungen. Unsachgemäße Übermalungen der 1930er Jahre wurden dabei entfernt. Die nächste Phase wurde mit den 1990er Jahren eingeleitet. Durch Leerstand, Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten am Dach wurden die historischen Säle durch mehrere Wasserschäden stark beschädigt. Mehrere Restaurierungen der Decken- und Wandmalereien waren die Folge. In den 2000er Jahren traten vermehrt Schäden im Sockelbereich auf.
Mit der fortzuführenden Planung wird gegenwärtig die denkmalpflegerische Konzeption erarbeitet. Der für die Gastronomie erforderliche Flächenbedarf reduziert sich auf den Gebäudegrundriss der Umbauphase von 1937/38. Der Bauforscher Dirk Schumann konnte anhand von Archivalien, Fotos und Untersuchungen am Gebäude einzelne wichtige Details zur Gebäudekubatur von 1937/38 zusammenführen, die für die weitere Planung und Architektursprache des Gebäudes wichtig sind. Die Stärkung der Umbauphase 1842/43, d. h. die Herausarbeitung des Entwurfs von Karl Friedrich Schinkel, sowie die Berücksichtigung der baulichen Veränderungen der Umbauphase 1937/38 in Verbindung mit der erhaltenswerten Gebäudekubatur, werden Grundlage der weiteren Planung sein.
Nach Verlust des Schlosses stellt die Orangerie mit ihren klassizistischen Raumfassungen das prächtigste Gebäude im Schlossbezirk und ein im Land Mecklenburg-Vorpommern einzigartiges Zeitzeugnis dar. Die Überarbeitung der Raumfassungen soll die Authentizität der Ausstattung der drei Säle stärken und auf die Glanzzeit 1842/43 zurückführen. Im Ergebnis der Baumaßnahme wird durch die Überarbeitung der Raumfassungen sowie durch einige detaillierte Ergänzungen an historischen Bauteilen und an der Fassade die Charakteristik des Gebäude deutlich aufgewertet.

Neueins.TV - Beitrag zur Orangerie Neustrelitz ab Minute 4:10 bis 7:30

Orangerie Neustrelitz

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