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Erweiterungsneubau der Bibliothek

07.09.2021 • Hochschule Neubrandenburg
Das Hochschulgebäude Haus 1 in Neubrandenburg wird um einen Erweiterungsneubau für die Bibliothek erweitert. Die Entwurfsplanung ist schon fertig gestellt.

Historie und Nutzung der Liegenschaft

Zum Hochschulkomplex gehören drei Gebäude sowie eine Mensa und vier Wohnheime. Das Haus 1 umfasst vier Gebäudeteile Lehrgebäude (LG) 1 bis 4. Die nach dem damaligen TGL-Standard von 1988 bis 1990 erbauten LG 1 bis 3 sind eine angepasste Variante des flächendeckend angewandten Plattenbaus mit architektonischen Nuancen, die sonst bei Plattenbauten nicht üblich waren. Hier befinden sich neben Seminar- und Gruppenräumen auch die Räume der Hochschulverwaltung. Das LG 4 wurde in einer Pfosten-Riegel-Konstruktion errichtet. Die Bauten sind miteinander verbunden und gruppieren sich um einen geschlossenen Innenhof. Im LG 4 als Haupthaus der gesamten Hochschule mit dem Haupteingang befinden sich die drei Hörsäle, die Hochschulbibliothek, der Cafeteria sowie die Technikzentrale. Alle Gebäudeteile sind über das Foyer miteinander vereint. Sie wurden in drei vergangenen Realisierungsabschnitten (RA) komplett saniert und sind fertiggestellt, der neue Senatssaal aufgrund Pandemie bedingter Materialengpässe erst im September dieses Jahres.
 
  • 1. RA von 2008 bis 2011: Fassadensanierung, Brandschutzmaßnahmen für 4 Millionen Euro
  • 2. RA von 2013 bis 2016: Komplettinnensanierung Lehrgebäude 4 für 5,2 Millionen Euro
  • 3. RA von 2016 bis 2021: Komplettinnensanierung Lehrgebäude 1-3 für 7,6 Millionen Euro

Leitidee

Das zentrale Haus 1 der Hochschule besteht aus mehreren, um einen Innenhof zu einem Baublock zusammengeschobenen und untereinander verbundenen Solitärbaukörpern.
Dieses Hochschulensemble wird nun um einen präzisen Körper erweitert, der die vorgefundenen Strukturen fortsetzt und neu interpretiert. Seine Präzision ergibt sich aus den gesuchten Bezügen zu den vorgefundenen baulichen und landschaftlichen Strukturen. Mit baulichen Mitteln soll die Bibliothek, dem Leitbild „geistige Mitte der Hochschule“ folgend, zum zentralen und integrativen Bestandteil der Hochschule ausformuliert werden. Der Erweiterungsneubau formuliert die baulichen Kanten zur Brodaer Straße und zur Rostocker Straße. Er definiert dadurch eindeutig den öffentlichen Raum als Adresse für die Bibliothek und den Hochschulcampus.

Städtebau

Körper Raum Transparenz - Einbindung in den Bestand
Der Erweiterungsneubau der Bibliothek ist ein klarer und kompakter Baukörper. Er bildet mit dem Altbauensemble der Hochschule eine bauliche Einheit und bindet es fest in das städtische Umfeld ein.
Die Baukörper definieren und hierarchisieren Räume: den öffentlichen Straßenraum und baumbestandenen Vorplatz, den gedeckten Vorbereich zum Hochschul- und zum Bibliotheksfoyer, die internen Erschließungs- und Aufenthaltsräume, den zweigeschossigen Lesesaal, den grünen Innenhof.
Die Verknüpfung dieser Räume durch Neubau und Umbau eröffnet Blickbeziehungen zwischen den Binnenräumen der Hochschule und der Bibliothek untereinander, sowie aus den Gebäuden in typologisch differenzierte Freiräume.
Durch die bauliche Erweiterung soll ein repräsentativer Campuszugang mit Wiedererkennungswert entstehen.

Zeichenhafte Dachlandschaft
Durch direkte Umsetzung des Logos der Hochschule mit baulichen Mitteln entsteht eine Dachlandschaft mit starker Fernwirkung in den Stadtraum, die auch im Inneren der Bibliothek durch ihre unverkleidete Holzkonstruktion erlebbar sein wird.

Bibliotheksfenster zur Stadt
Die Bibliothek gewährt über das große, aus Einzelelementen zusammengesetzte Fensterfeld Ein- und Ausblicke. Nachts und in den Abendstunden leuchtet die Bibliothek in den Stadtraum.

Eingang und Treffpunkt
Die Erdgeschoßzone der Bibliothek mit Foyer und Aufenthaltsbereichen signalisiert Offenheit, kommunikative Lebendigkeit und eigene Identität. Der Eingang in die Bibliothek erfolgt von zwei Seiten: über den gedeckten Vorbereich von der Brodaer Straße und direkt vom Hochschulfoyer.

Architektur, Konzeption und Gestaltung

Der Erweiterungsneubau der Bibliothek ist ein klarer und kompakter Baukörper. Er bildet mit dem Altbauensemble der Hochschule eine bauliche Einheit und bindet es in das städtische Umfeld ein.
Die bauliche Erweiterung prägt und wertet den bereits vorhandenen Campuszugang zusätzlich auf. Durch direkte Umsetzung des Logos der Hochschule mit baulichen Mitteln entsteht eine Dachlandschaft mit direktem Wiedererkennungswert und zugleich starker Fernwirkung in den Stadtraum und für die Region. Die Bibliothek gewährt über das große, aus Einzelelementen zusammengesetzte Fensterfeld Ein- und Ausblicke. Nachts und in den Abendstunden leuchtet die Bibliothek in den Stadtraum.
Der Eingang in die Bibliothek erfolgt von zwei Seiten: über den Vorbereich von der Brodaer Straße und direkt vom Hochschulfoyer.

Die bestehenden Bibliotheksflächen verschmelzen mit dem Erweiterungsbau zu einer funktionalen und gestalterischen Nutzungseinheit. Das vorgefundene Gebäuderaster wird im Erweiterungsbau aufgenommen. Das gewählte Gebäuderaster und Tragsystem ermöglicht flexible Nutzungsmöglichkeiten und im Neubau der Bibliotheksnutzung angemessene lichte Raumhöhen ≥ 3m in den Freihandbereichen. Die Anbindung an das LG 1 erfolgt barrierefrei teilweise über kurze Rampen. Der bestehende Rettungsweg aus den Hörsälen wird in die neu entstehende Treppenanlage der Bibliothek integriert.
Der viergeschossige Erweiterungsneubau schließt direkt an die Bestandsbauteile an und wird mit diesen über Wege- und Blickbezüge verbunden. Die Bestandsfassade wird zuvor zurückgebaut.
Im Bestandsbauteil LG 4 der Bibliothek werden die meisten Flächen für Freihandregale vorgesehen. Die Arbeits- und Leseplätze dagegen werden überwiegend den Fenstern im Erweiterungsneubau zugeordnet. Es entstehen offene Nutzerbereiche die konzentriertes und kommunikatives Arbeiten ermöglichen. Es sind offene Arbeitsbereiche in Tischgruppen, Reihenarbeitsplätzen und Arbeitskabinen / Carrels geplant. Unter der Dachlandschaft ist ein zweigeschossiger Lesesaal mit Galerie und raumhoher Bücherwand vorgesehen.

Im bestehenden LG 1 werden im offenen Nutzerbereich Gruppenräume, der Eltern-Kind-Raum, der Kopierraum und eine zusätzliche Toilettenanlage untergebracht. Außerhalb des gesicherten Bibliotheksbereichs im LG 1 werden die bereits bestehenden Büroräume zu den Verwaltungsbüros der Bibliothek umgenutzt.

Die Fassadengestalt folgt der inneren Struktur der Bibliothek. Die tragenden Außenfassaden werden mit Ziegelsteinen bekleidet deren Oberflächen hell geschlämmt werden. Die Fassadenöffnungen erhalten dagegen glatt geputzte Umrahmungen. Die Fenster sind Aluminiumfenster mit anthrazitfarbenen Oberflächen. Die Verglasungen in der Ostfassade sollen zur Reduzierung des Wärmeeintrages und zum Sonnenschutz ein Metallgewebe im Scheibenzwischenraum erhalten. Außenliegende, feststehende Aluminiumlamellen in einigen Fenstern der Nord- und Ostfassade ergänzen den erforderlichen Sonnenschutz. Im Ausbau werden einfache Materialien wie Beton, Stein, Holz, Aluminium, Textilien möglichst authentisch und unbehandelt verwendet. Die Betondecken bleiben unverputzt. Sie werden zu Heiz- und Kühlzwecken aktiviert und dienen als passive Speichermassen, weshalb abgehängte Decken als offene Baffeldecken vorgesehen sind. Die hellen Innenwände stehen im Kontrast zu dem dunklen Fußboden.

Planungsdaten Erweiterungsneubau der Bibliothek in der Hochschule Neubrandenburg

Bauherr Land Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch das SBL Neubrandenburg
Projektleitung SBL Neubrandenburg
Gesamtbaukosten ca.6,6 Millionen Euro
Baubeginn 06/2022
Bauende 07/2024
Nutzfläche 2.833 m²
Netto-Grundfläche Neubau 585 m²
Netto-Grundfläche Bestand 1.135 m²
Brutto-Grundfläche 2.766 m²
Bruttorauminhalt 11.044 m³
Architekt HerbstKunkler Architekten, Berlin
Haustechnik emutec GmbH, Niederlassung Neubrandenburg
Elektrotechnik emutec GmbH, Niederlassung Neubrandenburg
Tragwerksplanung Ingenieurbüro für Baustatik, Neubrandenburg
Ingenieur-Bauwerke / Verkehrsanlagen Außenanlagen

Hochschule Neubrandenburg, Erweiterungsneubau der Bibliothek