Universitätsmedizin Greifswald (UMG), Ersatzneubau für Hämatologie/Onkologie, Normalkliniken, Tageskliniken und Ambulante Funktionen
09.03.2026 • Klinikbau
Die Universitätsmedizin Greifswald (UMG) stellt als Krankenhaus der Maximalversorgung die somatische Versorgung der Bevölkerung in und um Greifswald sicher. Aufgrund einer notwendigen und aufwendigen Sanierung des Gebäudes KIM II Hämatologie/ Onkologie (Klinik Innere Medizin, Haus J) sollen die in diesem Gebäude befindlichen Fachbereiche dauerhaft ausgelagert werden.
Das Staatliche Bau- und Liegenschaftsamt (SBL) Greifswald errichtet für die Universitätsmedizin Greifswald neben der Bestandsklinik einen Ersatzneubau in Modulbauweise. Die Europäische Union und das Land Mecklenburg-Vorpommern investieren hier gemeinsam etwa 104 Millionen Euro in das neue Klinikgebäude.
Zur Gewinnung eines Totalunternehmers (TU) als Auftragnehmer führte unser SBL Greifswald ein Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb nach VOB/A EU durch. Die Auftragsvergabe an den TU erfolgte auf Grundlage einer detaillierten "Funktionalen Leistungsbeschreibung". Das SBL Greifswald übernimmt als Auftraggeber und Vertreter des Bauherrn die Leistungen des Projektmanagements. Dazu zählen sowohl die Leitung bzw. Kontrolle der Planungsleistungen als auch der Bauüberwachung, insbesondere in Hinblick auf die Berücksichtigung und Einhaltung öffentlich-rechtlicher Vorschriften in Planung und Ausführung.
Umfang der Maßnahme
Die Maßnahme umfasst die Errichtung eines fünfgeschossigen vollunterkellerten Neubaus mit der Bezeichnung "H1", inklusive Technikgeschoss als Dachgeschoss sowie ein Tunnelbauwerk im Untergeschoss für die nordwestliche Anbindung des Neubaus an den 2. Bauabschnitt des bestehenden Klinikums. Außerdem wird für die notwendige Starkstromversorgung von H1 eine neue Transformatorenstation gebaut. Die Gestaltung der unmittelbar am Gebäude anliegenden Außenanlagen ist ebenso Teil der Maßnahme.
Vor Beginn der eigentlichen Neubaumaßnahme waren vorbereitende Maßnahmen, wie Verlegung von Leitungen, Baumfällungen sowie der Rückbau des alten Dialysezentrum Greifswald des Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation e. V. (KfH) erforderlich, die 2025 realisiert wurden.
Es ist geplant, zu einem späteren Zeitpunkt das Gebäude H1 um einen direkten Anbau mit der Bezeichnung "H2" zu ergänzen. Dieser Anbau H2 wird dann unmittelbar im Bereich des südwestlichen Eingangs anschließen. Alle für H2 erforderlichen baulichen und technischen Anschlusspunkte wurden bereits in der aktuellen Planung von H1 berücksichtigt und werden bei der gegenwärtigen Bauausführung auch schon mit vorgesehen bzw. vorinstalliert.
Standort und städtebauliches Konzept
Der unterkellerte Neubau mit fünf Geschossen inklusive Technikgeschoss wird im südlichen Bereich des Klinikums, auf einer früher als Parkplatz genutzten Fläche entstehen. Das Gebäude erstreckt sich mit einer Länge von ca. 63 m und einer Breite von ca. 28 m fast nahezu über die komplette Breite des Baufeldes.
Die städtebauliche Gliederung um das Grundstück stellt sich heterogen dar. Das Baufeld des Neubaus H1 wird dreiseitig von einer Straße als Gebäudeumfahrt flankiert. Gegenüber dieser Straße befinden sich auf der vom Baufeld abgewandten Seite drei Bestandsbauten der UMG: im Nordosten das Haus J (derzeitige Klinik für Hämatologie / Onkologie), im Nordwesten der 2. Bauabschnitt des Hauptgebäudes der UMG und im Südwesten der Kindergarten der UMG. Direkt südöstlich an das Baufeld angrenzend befindet sich der vor kurzem fertiggestellte, zweigeschossige Neubau der Dialyse KfH.
Alle diese angrenzenden Gebäude sind Flachdachbauten, die überwiegend mit hellgelben oder roten Klinker- oder weißen Putzfassaden ausgeführt sind.
Gebäudeform und Nutzung
Die Gebäudeform des Neubaus ergibt sich im Wesentlichen aus den Vorgaben der Grundstücksgeometrie, des Raumprogramms und den Plänen der UMG. Der Baukörper folgt der Straßenflucht und passt sich somit der orthogonalen Ausrichtung der übrigen Baukörper auf dem Campusgelände an. Im Südwesten knickt der Baukörper um 90° Grad, dem Straßenverlauf folgend, ab und bildet den zukünftigen Anschlusspunkt für den zweiten Bauabschnitt Haus H2 aus. Das Dach wird als Flachdach ausgebildet. Auf der Dachfläche befinden sich Teile der Haustechnik und eine Photovoltaikanlage.
Das Gebäude wird etagenweise folgende Nutzungen aufnehmen:
Kellergeschoss: Personalumkleideräume, Wäscheausgabe, Lagerräume, Rohrpostzentrale sowie Technikräume
Erdgeschoss: Station Palliativmedizin der Klinik für Innere Medizin C und der Klinik für Neurologie
1. Obergeschoss: Ambulanz, Tagesklinik der Klinik für Innere Medizin C und andere Kliniken mit tagesklinischer Behandlung
2. Obergeschoss: Station Hämatologie/Onkologie der Klinik für Innere Medizin C
3. Obergeschoss: Knochenmarktransplantationsstation (KMT) und Diensträume der Klinik für Innere Medizin C
4. Obergeschoss: Ambulanter OP-Bereich
5. Obergeschoss: Technikzentrale als aufgesetztes Dachgeschoss
Fassade - Äußere Gestaltung
Der Neubau H1 orientiert sich nicht nur am technischen Standard, sondern auch in seiner äußeren Erscheinung an dem Referenzgebäude "Neubau Notaufnahme", welches sich ebenfalls auf dem Campus des UMG befindet. Die Fassade wird in drei Teile gegliedert und als Lochfassade ausgeführt. Der Sockel wird erdgeschossig mit dunklem Klinker, die Obergeschosse 1 bis 4 mit hellem Klinker und die Fassade des Technikgeschosses als dunkle Metallfassade ausgeführt. Die Fenster der Lochfassade der Obergeschosse 1 bis 4 werden zu Bändern zusammengefasst, welche die Fassade horizontal gliedern. Diese horizontalen Bänder werden in dunklem Klinker ausgeführt. Lediglich die südöstliche Stirnseite wird als zukünftiger Anschlussbereich für den Bauabschnitt H2 mit einem Wärmedämmverbundsystem ausgeführt. Dies ermöglicht den späteren Rückbau der Fassade, um den Anschluss von H2 an H1 herstellen zu können und die Gebäude miteinander zu verbinden.
Die beiden Eingänge an der nordöstlichen und südwestlichen Seite werden durch großflächige Glasschiebetüren mit dahinterliegendem Windfang hervorgehoben. Dabei ist der Haupteingangsbereich im Nordosten über einen Rücksprung in der Fassade ausgebildet, wodurch ein überdachter Eingangsbereich entsteht. Auskragende Vordächer an beiden Zugängen betonen die Eingänge und sorgen so für eine bessere Orientierung für Patienten und Besucher.
Erschließung
Die fußläufige Erschließung von außen erfolgt barrierefrei über die beiden Eingänge: an der nordöstlichen Seite ebenerdig, an der südwestlichen Seite über eine Rampenanlage. Dabei stülpt sich der Haupteingangsbereich im Nordosten in das Gebäudevolumen, wodurch die Zugänglichkeit zu allen Vorbereichen der zwei Aufzugsgruppen 1 und 1a gewährleistet wird.
Die vertikale Erschließung im Gebäude erfolgt direkt angrenzend an die Hauptzugänge über drei Aufzugsgruppen mit insgesamt fünf Aufzügen. Ebenso befindet sich direkt im Bereich der Hauptzugänge je ein Treppenraum, der auch jeweils einen direkten Ausgang ins Freie hat. Über beide Treppenräume werden alle Geschosse des Gebäudes inklusive Untergeschoss erschlossen. Für den Zugang zur Dachfläche (Technikgeschoss) ist ein gesondertes Aufstiegsbauwerk im Bereich der nordwestlichen Aufzugsgruppe 1 vorgesehen.
Über die Aufzugsgruppe 2 gelangen Medikamente, Essen und notwendige Waren mittels Automatischer Waren-Transport (AWT) in die entsprechenden Ebenen und Bereiche. Unmittelbar an der Aufzugsgruppe 2 sind die Ver- und Entsorgungsräume angeordnet. Über diese Räume erfolgt die Verteilung der Waren sowie die Entsorgung aus den einzelnen Geschossen.
Ein vollständig ausgebautes und beheiztes Tunnelbauwerk verbindet den Neubau H1 im Nord-Westen mit dem Bauabschnitt 2 des UMG. Dieser unterirdische Verbinder ist für den Patiententransport geeignet: gehend, sitzend und liegend. Er weist eine entsprechende Durchgangsbreite auf, die eine Begegnung von Patientenbetten im Gegenverkehr ermöglichen wird. Weiterhin erfolgt hierüber auch der Automatische Warentransport (AWT) zur Ver- und Entsorgung sowie die Anbindung der Rohrpost.
Energetische Ziele und Nachhaltiges Bauen
Sowohl die Planung als auch die Errichtung des Klinikneubaus sind konsequent auf Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Effizienz ausgerichtet. Es wird sichergestellt, dass die Planung und Durchführung unter der Maßgabe eines energetischen Standards erfolgt, bei dem der Jahres-Primärenergiebedarf maximal 40 Prozent des Jahres-Primärenergiebedarfs eines Referenzgebäudes gemäß Gebäudeenergiegesetz (GEG) beträgt (EG 55).
Sämtliche Anforderungen der Energieeinsparverordnung (ENEV) werden umgesetzt.
Die wichtigsten Eckdaten bisher bzw. geplant - Universitätsmedizin Greifswald, Ersatzneubau Hämatologie/Onkologie
europaweite Auslobung der Totalunternehmer-Leistungen - Start VgV-Verfahren
10.2020
Planungsauftrag für Erstellung der EW-Bau
01.2021
Aufforderung zur 1. Angebotsabgabe
05.2021
Aufforderung zur 2. Angebotsabgabe + Überarbeitung der Aufgabenstellung
08.2021
Aufforderung zur 3. Angebotsabgabe
09.2023
Aufforderung zur abschließenden Angebotsabgabe
12.2024
Abschluss VgV - Beauftragung Totalunternehmer KLEUSBERG GmbH Co. KG
04.2025
Anerkennung EW-Bau
04.2025
Baufeldfreimachung / Abbruch "Alte Dialyse"
06.2025 - 02.2026
Beginn vorgezogene Bauleistungen, Baustelleneinrichtung
01.2026
Erteilung Teil-Baufreigabe "Ausheben Baugrube inkl. Verbau- und Gründungsarbeiten sowie Rohbauarbeiten für das Untergeschoss"
01.2026
Beginn der Erschließungsarbeiten, Baugrube, Verbau, Spezialgründung
Förderung der Energieeffizienz in öffentlichen Gebäuden
Die Baumaßnahme wird im Rahmen des EFRE-Förderprogrammes "Verbesserung der Energieeffizienz und Reduzierung von Treibhausgasemissionen in öffentlichen Gebäude" von der EU gefördert.
Dieses Projekt ist kofinanziert aus Mitteln des Landes Mecklenburg-Vorpommern und wird
mit Beteiligung des Finanzministeriums Mecklenburg-Vorpommern umgesetzt