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Ehemalige Heilanstalt Domjüch verkauft

01.02.2006 • Liegenschaftsangelegenheiten des Landes M-V
Das sehr schön gelegene Anwesen wurde vom Land Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch den bbl-mv, zu Beginn des Jahres verkauft.

Weichen für die Entwicklung des wunderschönen Areals sind gestellt

Das sehr schön gelegene Anwesen wurde vom Land Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch den bbl-mv, zu Beginn des Jahres 2006 verkauft.

Das ca. 180.000m² große Areal ist dem bbl-mv mit Gründung im Dezember 2001 per Gesetz als Sondervermögen übertragen worden. Von Beginn an lautete der Auftrag, das wunderschöne Areal zu veräußern. Eine Verwendung für das Land gab es nicht.

Bei der Suche nach einem Käufer war es nicht nur für den bbl-mv wichtig, einen Investor mit vernünftigem Konzept zur Entwicklung des Geländes zu finden. Auch die Stadt Neustrelitz war - und ist - an einer Einbindung in das eigene Konzept zur Stadtentwicklung interessiert. So wurden in der Vergangenheit vorgelegte Konzepte sehr kritisch betrachtet.
Mit dem Verkauf wurden die Weichen für eine weitere Entwicklung des Areals gestellt.

Zur Geschichte der Heilanstalt Domjüch

Beitrag von: Christiane Witzke, Prof. Dr. med. Heinz-Peter Schmiedebach

Im Landkreis Mecklenburg-Strelitz, in der Nähe von Strelitz-Alt, steht seit 1993 ein verlassener Gebäudekomplex. Diese Gebäude beherbergten einst die "Großherzogliche Mecklenburg-Strelitzsche Landesirrenanstalt" Domjüch, die im Auftrag von Großherzog Friedrich Wilhelm von 1899-1902 errichtet worden ist. Der Volksmund nannte sie später immer nur kurz "Domjüch" und jeder wusste, was damit gemeint war. Ende April 1945 besetzte die Rote Armee das gesamte Gelände, das seitdem für Deutsche nicht mehr zugänglich war. Daran muss es wohl gelegen haben, dass die Existenz dieses ehemaligen Krankenhauses für psychisch Kranke fast aus dem Bewusstsein der Menschen verschwand. Seit fast zehn Jahren wird die Anlage nicht mehr genutzt. Lediglich historische Führungen, die sich großer Beliebtheit erfreuen, sorgen ab und zu für ein wenig Leben in den verlassenen Gebäuden.
Aber nicht nur die Anlage, sondern auch die damit verbundenen Lebensläufe und Schicksale von unzähligen Menschen drohen in Vergessenheit zu geraten. Zu den fast Vergessenen gehört der Psychiater Dr. med. Carl Serger (1863-1913). Er hatte nach langem und unermüdlichem Kampf den Bau dieser Anstalt beim Großherzog durchgesetzt. Damit änderten sich endlich auch in Mecklenburg-Strelitz die unhaltbaren Zustände auf dem Gebiet der Behandlung und Pflege psychisch Kranker. Nach dem Vorbild der 1896 in Gehlsdorf bei Rostock eröffneten Irrenanstalt Gehlsheim ließ er hier vor den Toren der Stadt, in einer landschaftlich schönen Gegend, einen ähnlichen Komplex entstehen. In der Ausführung erinnerte er in keiner Weise an eine geschlossene Anstalt. Abgesehen von hygienischen Gesichtspunkten, die für die Anordnung der Gebäude maßgebend waren, versuchte man, durch eine möglichst angenehme Gestaltung der Anstalt die Kranken vor schädigenden und aufregenden Eindrücken zu bewahren. Zwar wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts schon verschiedene Medikamente, wie z.B. das Chloralhydrat, zur Sedierung der Kranken benutzt, jedoch war es die gesamte Anstalt mit ihrer Struktur und ihrem durch einen regelmäßigen Tagesablauf geprägten Rhythmus, die als Therapeutikum auf die Kranken wirken sollte.
Anfänglich konnten 200 Kranke aufgenommen werden, später wesentlich mehr. Ärzte, Pflegepersonal und Patienten bildeten eine Lebens- und Wohngemeinschaft. So weit möglich, wurden Kranke in den eigenen Versorgungseinrichtungen, Werkstätten und Gartenanlagen beschäftigt. Aber auch Spaziergänge in die waldreiche Umgebung, Bootsfahrten auf dem angrenzenden See, das Kritzeln und Schreiben auf Schiefertafeln sowie das Feiern kleiner Feste sollten als Ablenkung dienen und zur Genesung beitragen. Bis zu seinem Freitod im Jahr 1913 war Carl Serger der Direktor der Anstalt, die inzwischen als der größte Arbeitgeber in der Umgebung galt. Der Erste Weltkrieg und erst recht die Zeit des Nationalsozialismus hinterließen ihre Spuren. Von 1939-1942 war die Heil- und Pflegeanstalt Domjüch für viele Patienten Durchgangsstation auf dem Weg in den Tod. 1943 wurde sie auf Anordnung des Reichsstatthalters und Gauleiters der NSDAP Friedrich Hildebrandt in eine Tuberkuloseheilstätte umfunktioniert. Nach dem Abzug der GUS-Truppen wurde das Gelände frei und die Geschichte dieser einst für Mecklenburg-Strelitz so wichtigen Einrichtung der psychiatrischen Versorgung aufgearbeitet.

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