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Da ist Musik drin! Planungen für Erweiterung der HMT werden vorgestellt.

17.06.2021 • Hochschule für Musik und Theater in Rostock (HMT)
Das Staatliche Bau- und Liegenschaftsamt Rostock plant die bauliche Erweiterung der HMT. In dem historischen Quartier in der östlichen Altstadt Rostocks, in unmittelbarer Nähe zum Stadthafen an der Warnow, entsteht in den kommenden Jahren der Erweiterungsbau. Damit werden die Ausbildungs-, Studien- und Arbeitsbedingungen erheblich verbessert.
Die HMT wurde 1994 als eigenständige künstlerische Hochschule gegründet und hat seit 2001 ihren Sitz im ehemaligen Katharinenkloster der Hanse- und Universitätsstadt Rostock. Derzeit studieren und arbeiten ca. 500 Personen an der HMT. Diese Zahl soll auf bis zu 700 Personen wachsen. Die derzeit im Bestand betriebene Cafeteria genügt nicht den Anforderungen an die Versorgung der Studierenden und wird durch eine neue Mensa/Cafeteria im Erweiterungsbau ersetzt. Der sich hieraus ergebende Bedarf soll am bisherigen Standort Beim St. Katharinenstift gedeckt werden.
Am 8. März 2019 wurde daher vom Finanzministerium M-V der Planungsauftrag für die Erstellung der EW-Bau an das Staatliche Bau- und Liegenschaftsamt erteilt.
In der ausgewählten Variante wurde die vorhandene Erschließung der Kreuzgänge aufgegriffen und als Spange um den Katharinensaal geführt. Der vorgeschlagene Entwurfsansatz wurde in Abstimmung mit dem Auftraggeber zu einem Vorentwurf weiterentwickelt, der am 14. Juli 2020 in einer Konzeptberatung den beteiligten Ministerien vorgestellt wurde. Die Planung wurde ausdrücklich positiv aufgenommen und zur Fortführung bestätigt. Die EW-Bau wurde am 16. April 2021 beim Finanzministerium zur Prüfung und Bestätigung eingereicht.
Während der Bauphase wird der Studienbetrieb in den vorhandenen Bestandsbauten mit Einschränkungen insbesondere im Katharinensaal und im Bewegungsstudio fortgesetzt. Dies betrifft auch direkt angrenzende Räume wie der Kammermusiksaal oder das Rektorat.
Das Flucht- und Rettungswegekonzept wird für den Zeitraum der Bauarbeiten entsprechend angepasst.

Charakter des Entwurfs im Sinne einer Synthese von Alt und Neu

"Der Neubau – direkt an dem alten Gebäude der HMT Rostock gelegen – wird, knapp 25 Jahre nach Bezug des erweiterten Katharinenklosters, deutlich machen, welch großartige Entwicklung die einzige künstlerische Hochschule Mecklenburg-Vorpommerns in dieser Zeit genommen hat. Trotz aller bereits erfolgten, zusätzlichen Anmietungen ist der zur Verfügung stehende Raum für die vielfältigen Aufgaben nicht mehr ausreichend und bedarf – da der Wunsch, alle Bereiche des Hauses auch zukünftig wieder unter einem Dach zu vereinen, über allem steht – einer den Bedarfen gerecht werdenden Erweiterung. Diese wird, davon kann man angesichts der intelligenten und ästhetisch überzeugenden Entwürfe der verantwortlichen Architekten ausgehen, das Gebäude zwar grundlegend verändern, zugleich aber seinen Charakter im Sinne einer Synthese von Alt und Neu sowie Kontemplation und Aktion, der den Geist einer Hochschule für Musik und Theater so treffend widerspiegelt, uneingeschränkt sichtbar bleiben lassen. Ich persönlich freue mich sehr darauf." so Professor Dr. Reinhard Schäfertöns, Rektor der HMT Rostock.

Historie der Liegenschaft

Das denkmalgeschützte Ensemble hat seinen Ursprung im Katharinenkloster, das als Gründung des Franziskanerordens 1243 erstmals urkundlich erwähnt wird. Es ist damit die älteste Klosteranlage der Rostocker Innenstadt. Den Ausgangspunkt bildete eine Saalkirche aus dem 13. Jahrhundert.
Nach einem Stadtbrand wurde an gleicher Stelle eine frühgotische Hallenkirche errichtet. Gleichzeitig entstanden Klosterbauten nördlich der Kirche um einen Hof, die im 14. und 15. Jahrhundert mehrfach erweitert und umgebaut wurden. In Folge der Reformation wurde das Franziskanerkloster 1534 aufgehoben und als Armen- und Waisenhaus genutzt. Beim Stadtbrand von 1677 wurde die Klosterkirche bis auf den Chor zerstört. Vom Langhaus sind nur der untere Teil der Westwand, spätes 13. Jahrhundert, mit dem Eingangsportal sowie der südliche Kapellenanbau erhalten.
Der verbliebene Chor wurde zunächst zur Notkirche, später zum Speicher umgebaut, so dass man seine ursprüngliche Funktion nicht mehr erkennen kann. Als Lazarett, Zuchthaus, Werkhaus, Industrieschule und psychiatrische Heilanstalt wurde die Klosteranlage ebenfalls genutzt, im 20. Jahrhundert bis 1991 dann als Altenheim „St.-Katharinen-Stift“.
Von 1998 bis 2001 wurde das Katharinenstift durch das Land Mecklenburg-Vorpommern mit dem vom Landesbauamt Rostock beauftragten Büro Braun & Voigt, Frankfurt zur HMT umgebaut. Die Bestandsgebäude wurden saniert und erweitert. Der neu errichtete Katharinensaal schiebt sich in den ehemaligen Klostergarten und bildet seither den nördlichen Abschluss des Gebäudeensembles zur historischen Stadtmauer.

Architektur und Gestaltung der Erweiterung

Dem vielgestaltigen Ensemble der HMT aus verschiedenen Zeitschichten wird mit dem Baukörper des Erweiterungsbaus ein sichtbarer neuer Baustein hinzugefügt. In seiner Gliederung, Fassadengestaltung und Materialität führt der Neubau die architektonische Qualität des Bestandes fort und verleiht damit der stadtgeschichtlich herausgehobenen Stellung der Klosteranlage Ausdruck.
Der neue Baukörper fügt sich in die bestehende Höhenstaffelung des Gebäudeensembles bruchlos ein.  Auch im Inneren soll der Erweiterungsbau an das bestehende Gebäudeensemble HMT anknüpfen und trotzdem als eigenständiger Baustein erkennbar werden.
Der Baukörper der Erweiterung wird als massives Volumen mit betont geschlossenen Ecken aufgefasst, dass entsprechend der inneren Funktionen eine rhythmisierte Lochfensterfassade erhält. Einzelne herausgehobene Räume wie beispielsweise die Probebühne oder der Gastraum der Mensa sind in der Fassade durch deutlich größere Fenster ablesbar. Die Fassade besteht aus hellbeigen Ziegelsteinen mit zurückhaltender Farbnuancierung. Die Fassade ist durch zurückversetzte Ziegelreihen auf Brüstungs- sowie auf Sturzhöhe der Fenster gegliedert. In den drei Obergeschossen werden so die Einzelfenster zu größeren Einheiten seitenweise zusammengezogen. Das Erdgeschoss erhält als Gebäudesockel hingegen Einzelfenster ohne ordnende Ziegelreihen.

Gebäudetechnik

Die Anforderungen gemäß GEG 2020 werden nachgewiesen. Der Höchstwert für den auf die Grundfläche bezogenen Bedarf an Primärenergie pro Jahr wird unterschritten und der geforderte Anteil der Nutzung für erneuerbare Energien wird nachgewiesen.
Alle opaken Außenbauteile des Neubaus werden mit einer hochdämmenden Schicht versehen, um Wärmeverluste zu minimieren. Es sind dreifach-verglaste Fenster geplant. Diese bieten einen besseren U-Wert und einen besseren Raumkomfort als herkömmliche Fenster mit Zweifach-Verglasungen.
Das Gebäude wird über einen Fernwärmeanschluss beheizt. Der Primärenergiefaktor für das Fernwärmenetz der Stadt Rostock beträgt 0,43. Die Wärmebereitstellung erfolgt mit einem Anteil von 88,9 Prozent aus in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugter Wärme. Die Be- und Entlüftung erfolgt zum Teil manuell und ansonsten mit einer zentralen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (WRG >=75 %). Der Neubau der HMT wird aus eigenen Trafostation versorgt.

Planungsdaten Erweiterungsbau Hochschule für Musik und Theater in Rostock

Bauherr Land Mecklenburg-Vorpommern vertreten durch das Finanzministerium d.v.d. die Leitung des Staatlichen Bau- und Liegenschaftsamtes Rostock
geplante Gesamtbaukosten 16,9 Millionen Euro
beauftragte Architekten Knoche Architekten, Leipzig
Tragwerksplanung: Horn und Horn (Rostock)
Planung Heizung, Lüftung, Sanitär Plantec (Rostock),
Planung Elektrotechnik HDH Ingenieure (Waren)
voraussichtlicher Baubeginn 06.2022
Grundsteinlegung 01.2023
Richtfest 10.2023
geplantes Bauende II. Quartal 2025
Nutzfläche 2.063 m²
Brutto-Rauminhalt
Stand: 17. Juni 2021

Hochschule für Musik und Theater in Rostock

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